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Eine ganze Region auf Landpartie

Geburtstagskind Lysann Falk (8) aus Prenzlau ist mit ihren Eltern Nadine Gaude und Marcel Falk sowie der Oma mit dabei.
Geburtstagskind Lysann Falk (8) aus Prenzlau ist mit ihren Eltern Nadine Gaude und Marcel Falk sowie der Oma mit dabei.

„Was sollen wir auf dem Schlag anbauen: etwas für die Teller oder für den Tank?“ Der Zollchower Landwirt Jürgen Mittelstädt spielt die Frage jenen Besuchern zu, die die Brandenburger Landpartie nutzen, um sich am Wochenende auf insgesamt 21 Höfen in der Uckermark umzuschauen.
Tausende kommen, nicht wenige Städter, um Landluft zu schnuppern und Wissensdurst zu stillen. Immerhin wirken in der Uckermark circa 550 Landwirte im haupt- und Nebengewerbe. Sie zählen zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region.
So mancher Verbraucher hat noch die Produktionsbedingungen aus der Zeit vor 50 oder 100 Jahren vor Augen. „An lila Kühe glauben unsere Kinder sicherlich nicht. Dennoch sind wir verblüfft, wieviel Hightech in den Ställen und auf den Feldern eingezogen ist“, schildert die Berlinerin Sabine Müller, die mit ihrer vierköpfigen Familie die Landpartie für einen Abstecher in die Uckermark nutzt. Die Bauernkäserei Wolters in Bandelow, der Rosenhof in Karlstein und der Bauernhof von Jürgen Mittelstädt in Dollshof gehören zu ihrem Programm: „Wenn wir es schaffen, wollen wir noch zur Straußenfarm Berkenlatten.“

Über Satellit spurgenau in der Drille gehalten
Während Andreas Wilke einen extra langen Hänger mit Städtern, Einheimischen und Pächtern über die Felder zieht – vorbei an einem von Gewitter und Hagel verschont gebliebenen kräftigem Weizenbestand – gibt Landwirt Mittelstädt Erläuterungen, die den Science-Fiction-Autoren Jules Verne regelrecht begeistert hätten. Am Giebel eines alten Gehöftes mitten im Feld ragt beispielsweise eine solarbetriebene Antenne empor. „Über diese GPS gesteuerte Satellitenverbindung werden unsere Traktoren auf den Felder auf Spur gehalten – mit maximal vier Zentimetern Abweichung in der Drille.“ Und wer sich heute für einen Beruf in der Landwirtschaft entscheidet, der muss sich hohen Ansprüchen stellen. „Ohne Computer geht nichts mehr. Wer sich heute auf einen modernen Mähdrescher setzt, der steuert einige hunderttausend Euro über die Felder“, schildert der Landwirt die enorme Verantwortung.

Paul Haegert aus Schönwerder gehört zu jenen jungen Menschen, für die ein Beruf mit Natur und Technik der größte Wunsch ist. Seine Lehrvertrag beim Landwirt in Göritz hat er bereits in der Tasche. In Zollchow gewinnt er einen Vorgeschmack.
Trotz der gravierenden demografischen Probleme in der Uckermark sehen Friedhelm Rogasch, Geschäftsführer des uckermärkischen Bauernverbandes, und Landwirtschaftsdezernent Ehrenfried Hartwich noch keine all zu großen Nachwuchssorgen. Größere Sorgenfalten bereitet den Landwirten die Tatsache, dass der Handel den eigentlichen Gewinn aus den von ihnen hergestellten Produkten und Rohstoffen zieht.

Hier schließt sich der Kreis zur eingangs gestellten Frage: Mehr Erlös kann der Landwirt erzielen, wenn er auf seinem Acker Nachschub (Mais) für den Tank der Biogasanlagen anbaut. Doch je Biogasanlage gehen so 300 Hektar Fläche für die Nahrungsmittelproduktion verloren. „Hier ist ein Umdenken in Berlin und Brüssel notwendig“, betont Mittelstädt. Und das Zusammenstehen der Produzenten. Die Q-Regio-Läden sind ein richtiger Ansatz, um den Landwirten mehr Mitspracherecht bei der Vermarktung ihrer Produkte zu geben.
 

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