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Entsetzt über nahende Windräder

„Mein Herz gehört Milow, jetzt wird es bedroht, am Tag Windrad an Windrad und nachts blinkt es rot. Der Fortschritt muss kommen, das ist unser Ziel, doch den Menschen vergessen, das wäre zu viel.“ Horst-Peter Schilling ist angesichts des aktuellen Planungsstandes des Milower Windeignungsgebietes entsetzt. Er ist so verzweifelt, dass er Verse eines anonymen Schreibers zu Hilfe nahm, um seinen Protest auszudrücken.

Denn werden die aktuellen Pläne umgesetzt, dann stehen bald auch vor dem Haus der Familie Schilling Windkraftanlagen, verschwindet ihr freier Blick zum Horizont. Mehr noch, dann ist das Dorf – an dessen Rand schon seit Ende der 1990er Jahre Windtürme in die Höhe ragen, von Süden und Osten eingekreist. Lediglich einem Schreiadler, seinem Flug- und Futtersuchschema ist es zu verdanken, dass die sich 2004 noch auf 39 Hektar erstreckende große Windfläche „nur“ auf 160 Hektar ausgewiesen ist.2011 war das Windeignungsgebiet Milow im neuen Entwurf des Teilplanes Wind der Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim auf 369 Hektar ausgedehnt worden.

Wie der Stand in Sachen Windeignungsgebiete in der Gemeinde Uckerland ist, darüber informierten die Leiterin der Planungsstelle Cornelia Henze und Mitarbeiter Dirk Felgenhauer die Gemeindevertreter am Donnerstagabend in Milow. Vorsitzender Herbert Heinemann und Bürgermeisterin Christine Wernicke hatten die Behörde der Regionalen Planungsgemeinschaft eingeladen, um auf der Beratung am 7. Mai mit den Kommuneneinen einheitlichen Standpunkt der Gemeinde vertreten zu können. Die erste Runde mit Ämtern und Gemeinden ist Ende April bereits gelaufen. „Diese Zwischenrunden mit den Kommunen sind dazu gedacht, dass die örtlichen Gegebenheiten und Befindlichkeiten diskutiert werden“, erklärte Claudia Henze.
Planer Felgenhauer stellte anhand von Karten und Listen detailliert die Windfelder vor und betonte den Status des Zwischenstandes. Die Vorstellungen der Ämter und Gemeinden werden mit Blick auf verschiedenste Kriterien in den Entwurf eingearbeitet. Am 2. Dezember steht der Beschluss des Teilplanes Wind auf der Tagesordnung der Regionalversammlung. Selbst wenn das Dokument beschlossen wird, sei nach Felgenhauer ein weiteres Beteiligungsverfahren zu erwarten – der Plan damit noch immer nicht rechtskräftig.

In Uckerland genießen die Windfelder Hetzdorf und Nechlin Bestandsschutz. Das Wilsickower wächst gegenüber 2004 um knapp 80 auf 582 Hektar. Den größten Zuwachs erfährt das bisher von Windspargeln jungfräuliche Bandelow, dessen Eignungsgebiet sich über 305 Hektar ausdehnen soll.
Aus Sicht der Bürgermeisterin gäbe es für Milow eine Alternative Richtung Schutzzone für den Schreiadler. Doch „die Relation Mensch – Schreiadler ist ausgereizt“, zeigte sich Claudia Henze sicher. Der seltene Adler genieße – wenn es nach den Abständen geht – einen dreifach höheren Schutz als der Mensch. „Wir haben die Bestimmungen nicht gemacht.“

Bürgermeisterin Wernicke nahm für das Gespräch am 7.Mai viele Hinweise mit. So dürfe sich das Windfeld Milow nicht über die Straße in Richtung Osten ausdehnen. Die Umzingelung von Lübbenow und Karlstein muss verhindert werden. Dazu soll das 55 Hektar große, neue Windgebiet Lübbenow gestrichen werden. Über die Ergebnisse des Gespräches will Christine Wernicke nach dem 7. Mai in einer Einwohnerversammlung Rede und Antwort stehen.

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