Nordkurier.de

Erstes Familienkind feiert heute seinen 10.

V onMonika Strehlow

Morgen stellen die AWO-Betreuungsdienste bei einem Tag der offenen Tür vor, welches Projekt vor zehn Jahren begann. Zu
Pia gesellen sich seitdem weitere Kinder.

Prenzlau.Zehn Jahre wird Pia heute schon. Kaum zu glauben, werden die Eltern über ihre Erstgeborene sagen. Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht, meint aber auch Simone Tetzlaff. Denn eigentlich ist die Betriebsleiterin der AWO Betreuungsdienste gGmbH auch so etwas wie eine Mutter für das Mädchen. „Pia ist das erste Kind, das im Rahmen unseres Familienprojektes auf die Welt kam. Ihre Eltern sind geistig behindert und erfahren durch uns ambulante Begleitung in ihrem Leben.“
Ausgedacht hatte sich diese spezielle Art der Betreuung niemand. Erwachsenen, geistig behinderten Eltern in der Schwangerschaft und später als Familie ambulant zur Seite zu stehen, das entwickelte sich aus dem wahren Leben. Pias Vater und Mutter lebten 2003 schon weitgehend selbstständig in einer eigenen Wohnung. „Eines Tages sagte uns Pias Mutter, sie sei schwanger. Das ist normal; auch geistig behinderte Menschen dürfen sich entscheiden, ob sie Kinder großziehen oder nicht“, stellt Simone Tetzlaff klar.
Natürlich war das mit neuen Herausforderungen verbunden – die mit Bravour gelöst werden. Immerhin nutzen bereits acht Familien mit jeweils einem bis drei Kindern die beratende, ambulante Unterstützung der AWO-Betreuungsdienste. Die Eltern seien unterschiedlich schwer von geistigen Behinderungen betroffen, beginnend bei Lernschwierigkeiten bis hin zu mittelschweren Erkrankungen, erläutert Simone Tetzlaff. „Dabei sind sie in der Lage, selbstständig in einer Wohnung zu leben, regelmäßig arbeiten zu gehen. Einige würden auch ohne unsere Betreuungsunterstützung ihr Leben meistern“, ist sie sich sicher.
Gemeinsam mit dem Jugendamt wurde für Pias Eltern überlegt, wie ihr neues Leben gemeistert werden kann. Daraus entwickelte sich das Familienprojekt, dessen zehnter Geburtstag morgen, am 8. Mai, mit einem Tag der offenen Tür in der Baustraße 5 gefeiert werden soll. Dort eröffnete die AWO-Betreuungsdienste gGmbH vor einiger Zeit einen Treffpunkt für ihre Eltern und Familien, der sich auch dem ganzen Kiez öffnet.
Von hier aus stehen sieben Mitarbeiter Eltern in allen Fragen zur Seite, mit denen auch andere Familien täglich konfrontiert werden: von der Erziehung übers Geldverwalten bis hin zu Arztbesuchen. Das Eltern-Kind-Café Donnerstagnachmittag hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, weiß Anja Roeder-Burgaß, die Teilbetriebsleiterin für die ambulante Betreuung. „Dienstagvormittags steht der Raum der Krabbelgruppe zur Verfügung. Es wäre schön, wenn sich auch andere Mütter und Väter dafür interessieren“, schaut sie in die Zukunft.
Wer sich für die AWO-Einrichtung in der Baustraße 5 interessiert, ist morgen von 10 bis 14 Uhr gern gesehen. Simone Tetzlaff wird Anliegen und Ziele vorstellen, auch Anja Roeder-Burgaß steht mit ihren Mitarbeitern zu Gesprächen bereit.

Kontakt zum Autor
m.strehlow@uckermarkkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×