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Förderverein gibt auf

Die Reste der einst mächtigen Feldsteinkirche Arendsee. Der 2005 gegründete Förderverein will sich nun auflösen. [KT_CREDIT] FOTO: Privat
Die Reste der einst mächtigen Feldsteinkirche Arendsee. Der 2005 gegründete Förderverein will sich nun auflösen. [KT_CREDIT] FOTO: Privat

Jetzt ist Schluss: Der 2005 gegründete Förderverein Wüste Kirche Arendsee gibt auf und wird sich auflösen. Letzte Aktion ist das Aufstellen einer Bank an der Kirchenruine am Sonnabend um 10 Uhr. „Wir haben uns acht Jahre vergeblich bemüht, den Erhalt und eine Teilsanierung der Kirche voran zu bringen“, sagt Christina Kuckelt. Da für solche Dinge offenbar keinerlei Interesse im Ort und in der Gemeinde bestünden, löse sich der Verein nunmehr auf. Aber ein Schild an der Bank und eine Tafel an der Kirche sollen weiterhin Besucher darüber informieren, „welches Kleinod hier weiter verrottet und damit nachfolgenden Generationen vorenthalten wird.“ Christina Kuckelt hofft nur, dass wenigstens die Hinweistafel und die Bank von der Gemeinde erhalten und gepflegt werden.
Schon über 500 Jahre wird in der Kirche kein Gottesdienst mehr gefeiert. Nicht alle Dörfer, die die deutschen Siedler im 13. Jahrhundert anlegten, überdauerten die Zeiten. Pest, Kriege, Missernten führten zur Aufgabe von Dörfern. Bereits im Landbuch Kaiser Karl IV. von 1375 über die Mark Brandenbuirg findet man hinter zahlreichen Orten den lateinischen Zusatz „desertus est“ – ist wüst.
So auch Arendsee. Der ursprüngliche Ort war einst ein Kirchdorf mit einer auf einer Halbinsel gelegenen Burg. Beide, Burg und Dorf, wurden wohl schon Ende des 14. Jahrhunderts allmählich aufgegeben, nur wenige Siedler hielten durch. Um 1520 war Arendsee endgültig wüst. Kirche und Friedhof wurden vielleicht noch einige Zeit genutzt, wofür einige Reparaturen sprechen. Aber bei der Neuanlagung eines Vorwerks auf der Feldmark im Jahre 1727, aus dem sich das neue Gutsdorf Arendsee entwickelte, war die Kirche endgültig verfallen.
Erhalten geblieben sind bis heute „Teile des Turmuntergeschosses mit Resten eines Tonnengewölbes, ein kleiner Teil der Längsmauern sowie mehr als die Hälfte des Ostgiebels, an dem sich die Reste einer spitzbogigen Dreifenstergruppe sowie im Giebel ein Rundfenster erkennen lassen“, wie auf der Internetseite des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg erläutert wird.
Der Förderverein wollte die der Gemeinde gehörende und unter Denkmalschutz stehende Ruine wenigstens sichern und einen touristischen Anlaufpunkt schaffen. „Jährliche Konzerte, Flohmärkte oder Andachten auf dem Kirchhof waren mehr oder weniger gut besucht. Aber schließlich fanden wir nach dem Tod von Waldemar Witzke und dem Wegzug von Veronika Meißner keine neuen Mitglieder. Und ein achtjähriger Kampf gegen Windmühlen hat uns auch zermürbt“, sagt Christina Kuckelt. Sie hofft aber, dass sich zur letzten Aktion des Vereins am Sonnabend doch noch einmal viele Mitstreiter und Interessierte einfinden.
 

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