Im April dieses Jahres besuchten Frank und Anastasia Bürger die taubblinde Aleksandra und ihre Familie in Krapiel. FOTO: privat
Der Verein Polnisch-Deutsche Standortentwicklung löst sich auf.
Uckermark.In der vergangenen Woche gab es die letzte öffentliche Veranstaltung des Schwedter Vereins Polnisch-Deutsche Standortentwicklung (PoDeSt) mit demBernauer Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, Palanca e.V. und der Barnimer Kampagne „Light me Amadeu“ in Bernau.Die Mitglieder lösen den Verein auf. Sie erinnerten in diesem Zusammenhang an den Prozess gegen einen Fußballer aus Bernau, der nun mit einem Freispruch zu Ende gegangen ist. Der 19-jährige Abiturient soll den gebürtigen Mosambikaner Ibraimo Alberto, PoDeSt-Mitglied und Leiter des ehemaligen Jugendtreffs „Flash Too in Schwedt sowie ehemaligerIntegrationsbeauftragter der Oderstadt, und dessen Sohn Arlindo im März2011 auf einem Schwedter Fußballplatz mit rassistischen Sprüchen beschimpfthaben. Alberto hatte nach diesem Vorfall Anzeige gegen Unbekannt gestellt, weil er sich lediglich die Nummer des Spielers gemerkt hatte. Den Angreifer erkannte er im Zeugenstand wieder. Das Amtsgericht Bernau urteilte, die Beleidigungen hätten nicht mit Gewissheit dem Angeklagten zur Last gelegt werden können. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verwarnung und 15 Tage gemeinnützige Arbeit beantragt. Für Ibraimo Alberto war dieser Vorfall der Tropfen, der das Fass zumÜberlaufen brachte. Die Familie zog von Schwedt nach Karlsruhe.Der Verein PoDeSt gab zu Beginn des Jahres diesen Jugendtreff bewusst an denTrägerverein Evangelisches Jugend- und Fürsorgewerk in Absprache mit derStadt Schwedt ab. Der Name wurde vom neuen Träger geändert. Am 1. Juli 2011, wenige Tage nachdem Ibraimo Alberto Schwedt verlassen hatte, kam es im Jugendtreff „Flash Too“ zu einem Überfall durch Jugendliche und Erwachsene. Dabei wurde die polnische Fahne von der Wand gerissen. Hierbei wurde auch die polnische Mitarbeiterin beleidigt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat inzwischen aufgrund der „geringen Schuld der Angeklagten“ das Verfahren eingestellt. Die Mehrheit der Vereinsmitglieder und der Vorstand sehen in dem Überfall einen Angriff auf polnische Mitarbeiter und Vereinsmitglieder. Die Mitglieder verständigten sich darauf, den Verein aufzulösen. Die meisten polnischen Mitglieder haben den Verein bereits verlassen. Lohn der fast siebenjährigen Arbeit von PoDeSt waren die Auszeichnung der ehemaligen Treffleiterin Gisela Zabel im Januar 2008 mit dem Ehrenpreis des Bürgermeisters, die Verleihung der polnischen Auszeichnung „Freund des Kindes“ und die Ver- leihung der Europaurkunde des Landes Brandenburg an den Vorsitzenden Frank Bürger. Vor allem das Engagement für die taubblinde Aleksandra aus Krapiel und die Produktion des Films „Einer von uns“ fanden große Resonanz. „Wir werden versuchen, unseren Verpflichtungen bei der Vereinsauflösung nachzukommen“, so Bürger. Er will sich weiter im Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin engagieren.uk www.podest-ev.org