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Gäste werden selbst zum Archivar

Nach bekannten Gesichtern forschen macht Edeltraud Greese, Christin Rohde und Helga Falk (von links) viel Spaß. Schließlich arbeiteten sie selbst mal an der Lindenschule.[KT_CREDIT] FOTO (2): Monika Strehlow
Nach bekannten Gesichtern forschen macht Edeltraud Greese, Christin Rohde und Helga Falk (von links) viel Spaß. Schließlich arbeiteten sie selbst mal an der Lindenschule.[KT_CREDIT] FOTO (2): Monika Strehlow

VonMonika Strehlow

Immer zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden deutschlandweiten Tagen des Archivs lädt die Prenzlauer Einrichtung zu „Abends im Archiv“ ein. Diesmal geht es um das Schulleben in der Kreisstadt.

Prenzlau.Mindestens einmal im Jahr herrscht in den Fluren, im Lesesaal und im Magazin des Stadtarchivs Gedränge. Auch am Mittwochabend fand das nicht nachlassende Interesse der Kreisstädter an ihrer Geschichte auf diese Art Ausdruck.
Der „Streifzug durch die Prenzlauer Schulgeschichte“ stieß bei Alt und Jung auf so viel Interesse, dass die erste Führung ins Allerheilige – durch das klimatisierte Depot – zeitlich verschoben werden musste. Denn zuallererst wollten die Besucher ihre Neugier an den zahllosen Klassenfotos der Prenzlauer Lindenschule stillen, die an diesem Archivabend im Mittelpunkt stand. „Wer kennt wen?“ hatte die Leiterin des Stadtarchivs Sabine Nietzold zum Auftakt gefragt und auf die bereitliegenden Mappen verwiesen. Dort waren den Fotokopien Listen beigegeben, die die Besucher ausfüllen durften, so sie denn jemanden erkannt hatten.So wurden die Besucher selbst zu „Archivaren“, indem sie Geschichte aus eigenem Erleben aufarbeiteten.
Für Dietrich Dittmann war es eine leichte Aufgabe. Auf dem Bild der Klasse 4b von 1960 an der Lindenschule hatte er sich mit 27 der 30 Kinder wiedererkannt – und fleißig die Liste gefüllt. „Sehen Sie hier, Gerlind Flöter oder dort Eckhard Thiede, der ist heute Zahnarzt. Und das hier ist Gudrun Wilde, sie heißt heute Winkel“, erzählte er begeistert, von Erinnerungen überwältigt. „Wir hatten noch bei Frau Lindow Unterricht, der Frau von Max Lindow, die damals im Knollschen Haus an der Schnelle wohnte. Vielleicht sollte man mal über ein Klassentreffen nachdenken?“
Während Dittmann die Fotos aus seiner Kindheit kennt, erlebten Edeltraut Greese und Christin Rohde als Lehrerinnen die Lindenschule. Mit Helga Falk, der langjährigen Schulsekretärin, und anderen Kollegen, machten sie sich die Mühe, jede Abbildung zu untersuchen – und hatten viel Spaß. Für die Frauen waren es erlebnisreiche Jahre. Von 1959 bis 1993 führte Edeltraut Greese die Jüngsten in die Geheimnisse von Schreiben, Rechnen und Lesen ein. „Jede Menge Kinder habe ich erkannt“, freute sie sich und die ehemalige Bio- und Chemielehrerin Rohde ergänzte: „Und sie ist selbst auf vielen Fotos.“ Denn Schulfotografen waren oft Gast in der Lindenschule, die Klassenbilder waren beliebt.
Übrigens klärte Hans Burmeister die Damen vom Archiv auf, dass das in der Prenzlauer Zeitung vom 16.April erschienene Foto der Klasse 5b von 1948 nicht an der Lindenschule entstand, sondern an der alten Diesterwegschule. Seine Schwester Marianne hatte sich selbst und den Lehrer Boenigk erkannt. „Sehen Sie hier unten, die Fünfte von rechts, das ist sie.“ Darauf hatte im Vorfeld auch schon Charlotte Fisch aufmerksam gemacht, die dort zur Schule ging. Hans Burmeister hatte seinen Laptop mit dem umfangreichen historischen Bildarchiv Prenzlauer Schulen mitgebracht – etwa vom Prenzlauer Gymnasium in der Lindenschule oder auch von der Knabenschule, der Mittelschule, die vor einigen Jahren den Neubauten am Sternberg weichen musste. So wurde der Prenzlauer Geschichtskenner bald umringt und in Gespräche verstrickt.

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m.strehlow@uckermarkkurier.de

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