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Hier hagelt es Knöllchen

VonClaudia Marsal

Der neue Behindertenpark-
platz in der Grabowstraße entwickelt sich zum Zank-
apfel. Weil dort meist gähnende Leere herrscht, gehen die Kraftfahrer auf die Barrikaden. Sie sind überzeugt, dass die Hälfte an „Reservierungen“ reichen würde, aber…

Prenzlau.Eine halbe Stunde lang ist Horst-Dieter Runge schon durch Prenzlau gekurvt, als er am Montag zur Mittagszeit den großen Parkplatz in der Grabowstraße ansteuert. Der Carmzower hat’s eilig, muss einen Termin in der nahen Stadtverwaltung wahrnehmen. Er schließt sein Auto ab und will gehen, da fällt sein Blick auf das Rollstuhlfahrerschild. „Das kann doch nicht wahr sein“, schimpft der Kraftfahrer. „Alle 28 Plätze sind jetzt Behindertenfahrzeugen vorbehalten?“ Passant Martin Stooß nickt. „Ja, das ist zur Landesgartenschau so geändert worden. Aber die meiste Zeit liegt der Platz verwaist da“, hat der Rentner die Beobachtung gemacht.
Auch diesmal stehen nur vier Pkw hier, lediglich zwei davon haben das erforderliche Rollstuhlfahrerschild hinter der Frontscheibe zu liegen. Die anderen beiden Fahrzeugführer versuchen wahrscheinlich ihr Glück und hoffen, bei der Rückkehr kein Knöllchen kassiert zu haben. Doch das geht selten glimpflich ab. Auch in der Reaktion mehren sich zurzeit die Beschwerden von Autofahrern, die zur Kasse gebeten worden sind. Familie Krüger aus Löcknitz will es darauf nicht ankommen lassen. Das Ehepaar hat einen Termin beim Augenarzt und ist mehr als sauer, nicht mehr auf dem gewohnten Parkplatz stehen zu dürfen. Die Frau ist zwar im Besitz eines Behindertenausweises, doch auf diesem fehlt das „G“ für Gehbehinderung, sie ist „nur“ fast blind. Das Paar steigt entnervt wieder in den Wagen, startet aufs Neue die Parkplatzsuche.
Matthias Bruck, Sprecher der zuständigen LaGa GmbH, hatte in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, dass sich an der ausschließlichen Reservierung für Schwerbehinderte nichts ändern wird. Dafür sei der Platz konzipiert worden. Er ist aber überzeugt, dass sich in vertretbarer Nähe immer Ausweichvarianten finden lassen. In der benachbarten Tiefgarage der Kreisverwaltung beispielsweise seien stets genug Plätze für die öffentliche Nutzung vorhanden, sagte er auf Nachfrage.
Rolf Gossel aus Berlin zählt zu denen, die der Stadt dankbar sind für diese LAGA-nahe Parkmöglichkeit. Der Hauptstädter steuert am frühen Nachmittag mit seinem Wohnmobil, schwerbehinderter Frau und Hund den Platz in der Grabowstraße an. „Für uns ist es sehr schön, dass wir sofort etwas gefunden haben“, sagt der Rentner und legt das blau-weiße Rollstuhlfahrerschild gut sichtbar hinter die Windschutzscheibe. Was meinen Sie dazu, liebe Leser?Telefon: 03984 864712

Kontakt zum Autor
c.marsal@uckermarkkurier.de

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