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Hier hat auch mal eine „Polizistin“ gestrippt

Was das wohl zu bedeuten hat? Mit dem Gutshaus Schönwerder ist nun bereits zum zweiten Mal ein Objekt altengerecht umfunktioniert worden, welches Baudezernent Dr. Andreas Heinrich einmal als Heimstatt diente. Der städtische Beigeordnete verriet am Donnerstag am Rande der dortigen Übergabe eines Qualitätssiegels lachend, dass er zuvor in der Senioren-WG Göritz gewohnt habe – vor dem Umbau des Gebäudes versteht sich. Seine aktuelle Adresse wolle er deshalb nicht verraten, setzte er schelmisch hinzu. Nicht dass es Spekulationen gebe… Schließlich denke in seinem Alter noch niemand gern an seniorengerechte Unterkünfte, jedenfalls nicht privat.
Denn dienstlich hat Andreas Heinrich mit diesen Dingen natürlich zu tun. Den Wohnungsbestand in Stadt und Land fit zu machen für den demografischen Wandel, das ist ein großes Thema. Mit Partnern wie dem Kommunalen Wohnungsunternehmen Prenzlau-Land dürfte das aber nicht ganz so schwer fallen, denn Geschäftsführer Hartmut Roll und seine Mitarbeiter sind für ihre innovativen Ideen bekannt. Das fand am gestrigen Tag nun sogar Würdigung aus Potsdam. Ein Vertreter des Ministeriums für Infrastruktur verlieh der Senioren-WG Schönwerder das Qualitätssiegel „Gewohnt gut – fit für die Zukunft“. Roll gab gleichzeitig den neuen Namen der Einrichtung bekannt: „Daheim statt Heim“.
Aktuell sind hier 14 ältere Damen und Herren zu Hause. 580 000 Euro hat das Unternehmen dafür seit 2011 investiert. Es war kein leichtes Unterfangen, aus dem um 1800 als Guts- und Herrenhaus errichteten Gebäude ein barrierefreies Domzil zu machen, das modernsten Ansprüchen genügt. Doch es scheint gelungen. Nicht nur die Bewohner äußern sich zufrieden, selbst das Ministerium ist, wie gesagt, äußerst angetan von dem Vorzeigeobjekt in der Uckermark.
Die vorrangig für demenzkranke Menschen konzipierte Wohngemeinschaft habe Vorbildcharakter, heißt es in der Jurybegründung des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen, welcher den Preis vergeben hat. Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger dazu: „Außerhalb des Speckgürtels ist die Leerstandsproblematik immer noch besorgniserregend. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass Wohnungsunternehmen wie die KWU Prenzlau-Land große Anstrengungen unternehmen, um Gebäude wie dieses alte Herrenhaus wieder nutzbar zu machen.“ Geschäftsführer Hartmut Roll sagte gegenüber der Presse: „Die Auszeichnung mit dem renommierten Siegel bestätigt uns in unserem Engagement. Wir sind stolz, hier besonders hilfebedürftige Menschen begleiten zu dürfen und ihnen eine komfortable, bezahlbare und schöne Wohnmöglichkeit mit angebundenem 24-Stunden-Pflegedienst bieten zu können.“ Den hatte Baudezernent Heinrich zu seiner Zeit in dem Haus (1995 bis 1998) natürlich noch nicht nötig. Dementsprechend unkonventionell fiel damals dann auch sein Auszug aus. Er schmiss eine große Abschiedsparty für alle, auf der er selbst von einer „Polizistin“ überrascht wurde, die sich im Verlaufe des Abends als Stripperin entpuppte… Nicht nur Roll musste gestern angesichts dieser Episode schmunzeln. Wer weiß, vielleicht hätten ja auch die jetzigen Bewohner ihren Spaß daran…

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