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Junge Frau wehrt sich gegen den Titel „Schlampe“

Dieser Tage musste sich ein junger Mann vor dem Strafrichter des Prenzlauer Amtsgerichtes verantworten, weil er seine Nachbarin als „Schlampe mit Hängetitten“ bezeichnet und ihr bei einem Rededuell ins Gesicht gespuckt haben soll. Das hatte sich die junge Frau nicht gefallen gelassen, sondern Anzeige erstattet. Doch gegen den Strafbefehl des Amtsgerichtes in Höhe von 500 Euro legte der Mann Einspruch ein.
„Weil sie mich zuerst beleidigt hatte, weil ich angeblich ihr Fahrrad geklaut habe, wollte sie im Hausflur zur Rede stellen“, gestand der Angeklagte. Er habe sie als Miststück und Dreckschlampe bezeichnet, aber nicht angespuckt. „Spucken ist nicht das Niveau eines Geschäftsmannes“, so der Mann, „davon distanziere ich mich.“ Die anderen Worte hätte er in Rage geäußert.
„Warum legen Sie dann Einspruch gegen den Strafbefehl ein, wenn Sie die Tat zugeben?“, fragte der Richter. „Weil ich sie nicht angespuckt habe und die Beleidigungen wechselseitig waren“, entgegnete der Angeklagte. Er habe weder etwas mit dem Fahrraddiebstahl zu tun, noch die Absicht gehabt, jemanden zu beleidigen. Es solle daher jetzt die Wahrheit herauskommen , so seine Argumentation. Die betroffene junge Frau sah das allerdings anders. Er sei aufgebracht zu ihr gekommen, habe ihr Falschaussagen zur Last gelegt und angefangen, sie zu beschimpfen. „Dreckstück, dir hat man wohl das Gehirn wegblondiert“, das habe er gesagt.
Doch wie so oft in solchen Fällen war auch hier das Erinnerungsvermögen weiterer Zeugen nicht so gut.
Zwar hatte die Tochter durch den Spion der Wohnungstür die Beleidigungen und das Spucken mitbekommen, aber andere Zeugen machten recht widersprüchliche Angaben zum Tathergang. Letztlich zeigte der Staatsanwalt die Grenzen des Möglichen auf. Ein Freispruch komme nicht in Betracht, die Fakten sprächen dagegen, hieß es. Eine Einstellung des Verfahrens gegen 50 Stunden Arbeitsauflage für den nicht vorbestraften Angeklagten war möglich. Ein Vorschlag, der von allen Beteiligten akzeptiert wurde.

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