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„Mensch, hier habe ich doch mal gedient“

Owe-Jens Radtke hatte in dieser Woche die Wahl. Der 49-Jährige wollte in einem Naturbaustoffhandel Material – Hanfschäben für Lehmputz – einkaufen und hätte dafür entweder in die Hauptstadt fahren oder aber Prenzlau ansteuern können. Er entschied sich für Letzteres. Und das aus gutem Grund. Vor 30 Jahren hat der Wandlitzer hier nämlich mal „gedient“. An seine anderthalb Jahre in der uckermärkischen Kreisstadt erinnert sich der gelernte Töpfer ganz gern zurück, wie er im Gespräch mit dem Uckermark Kurier verriet. Das liegt vermutlich daran, dass er im Med-Punkt der NVA einen recht ruhigen Job hatte. „Ich durfte die Offiziersfrauen mit dem LO, dem damaligen Sani-Wagen, zu Entbindungen oder anderen Arztterminen ins Krankenhaus bringen, Rekruten zu Spezialkliniken chauffieren, Medikamente aus der Apotheke holen und vieles andere mehr“, erinnert sich der dreifache Vater zurück. Als junger Mann habe er damals natürlich wie alle anderen auch versucht, sich den Wehrdienst so angenehm wie möglich zu gestalten.
„Erwischen lassen durfte man sich bei vielen Dingen natürlich nicht“, verrät er schelmisch lachend. Ungenehmigte Heimfahrten beispielsweise seien ein Risikospiel gewesen. „Trotzdem haben wir sie gewagt, meine Heimatstadt Berlin lag schließlich in erreichbarer Nähe. Und mit dem Freizeitleben war es schon damals nicht so weit her in Prenzlau.“
In Erinnerung geblieben sei ihm aber eine Kneipe auf einem benachbarten Dorf, wo Soldaten immer anschreiben lassen durften. Gern zurück denkt er auch ans Kap, wo sommers wie winters gebadet wurde. Ja, selbst in der kalten Jahreszeit führte sein Weg oft an den Uckersee. „Die Handtücher haben wir uns immer unter der Uniform um den Bauch gewickelt, damit keiner etwas spitz bekam“, erzählt Owe-Jens Radtke lachend. Abgebadet wurde am 22. Dezember, Anfang Januar stand dann schon das Anbaden ins Haus. „Ich sehe noch wie heute vor mir, wie wir mit dicken Holzbohlen ein Loch ins Eis gekloppt haben, um schnell ins Wasser springen zu können.“ Es versteht sich von selbst, dass der sympathische Mann, der heute als Betreuer in einem Landschulheim arbeitet, nach seinem Baumarkteinkauf nicht gleich nach Hause fuhr, sondern noch einmal die Stätten seiner Vergangenheit besuchte. Kurz vor Feierabend entschloss er sich dann auch noch zum Besuch der Landesgartenschau.
„Das kann man sich doch nicht entgehen lassen, wenn man schon mal hier ist.“ Sein Fazit: Prenzlau hat ich enorm gewandelt in den letzten drei Jahrzehnten, ist eine richtig schicke kleine Stadt geworden, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Nochmal zur Armee gehen möchte er hier allerdings nicht. Hier nicht und nirgendwo anders. Dafür liebe er zu sehr sein freies, eigenbestimmtes Leben, sagte er abschließend.

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