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Mit fast 30 noch mal auf die Schulbank, auch das gibt es

Eigentlich ist Antje Michaelis schon eine gestandene Arbeitnehmerin. Die heute 27-Jährige hatte nach der elften Klasse das Prenzlauer Gymnasium verlassen und eine Lehre als Bürokauffrau begonnen.
Dem schlossen sich zwei Arbeitsverhältnisse an. Zuletzt bei „Uckermark-Leasing“, doch dorthin wird die gebürtige Fürstenwerderin nach Ende ihrer Elternzeit nicht mehr zurückkehren. Die Mutter eines kleinen Sohnes möchte sich nämlich noch einmal auf die Schulbank setzen.
Im Mutterschutz war bei der jungen Frau die Idee gereift, eine zweite Lehre in Angriff zu nehmen, um endlich in ihrem Traumberuf Verwaltungsfachangestellte arbeiten zu können. Im ersten Anlauf hatte das vor Jahren nicht geklappt, sie war nicht angenommen worden bei der Kreisverwaltung. Diesmal hatte sie mehr Glück bei der Behörde. Mit fünf weiteren Damen und Herren setzte sie sich unter über 100 Bewerbern durch. Mit ihren 27 Lenzen ist sie aber beileibe nicht die Älteste in der Runde, und auch bei den Zweitausbildungen gibt es weitere Beispiele in diesem Jahr. Stefan Schulz beispielsweise. Der 28-Jährige hat bereits einen Abschluss als Bankkaufmann in der Tasche und möchte noch einmal umsatteln. Verwaltung, das liege ihm mehr als der Job in einem Geldinstitut, das habe er im Laufe der letzten Jahre begriffen, resümierte der Kreisstädter während der feierlichen Unterzeichnung der Ausbildungsverträge.
„Alterspräsidentin“ in der Runde, so bezeichnete sie sich selbst, war mit 35 Jahren aber Juliane Laase.
Die ledige Zeitsoldatin arbeitet zurzeit noch in Trollenhagen, doch dieser Bundeswehrstandort steht vor der Auflösung. Die Ausbildungsverantwortliche der Kreisverwaltung, Andrea Bethke, ließ dazu wissen, dass die Behörde verpflichtet sei, jeden zehnten Ausbildungsplatz für Zeitsoldaten vorzuhalten. Juliane Laase wird aber keine Lehre machen, sondern Kommunales Verwaltungsmanagement und Recht studieren. Ebenfalls den Abschluss Bachelor of Laws strebt Robert Richter aus Dedelow an.
Mit dem Unterschied, dass der 18-Jährige noch mitten im Abitur steckt und nur halb so alt wie seine Sitznachbarin ist. Bernd Brandenburg, zuständiger Dezernent im Kreis, verheißt beiden Erfolg, wenn sie denn beherzigen, was er allen Auszubildenden am ersten Tag mit auf den Weg gab. „Sofort Vollgas geben, sonst verliert man schnell den Anschluss.“ Das hat sich auch Susi Schönfeld vorgenommen, die zwar gerade erst 19 Jahre alt geworden ist, momentan aber schon in den Abschlussprüfungen ihrer ersten Lehre steckt – Bürokauffrau. Auch sie möchte nochmal aufsatteln.
 

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