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PCK: Ein Maschinenpark als Hoffnungsschimmer

VonAnja Neumann

Sie ist eine Baustelle, die Raffinerie zwischen grünen Wiesen. Alte DDR-Anlagen sollen endlich weichen. Es
ist auch eine Hilfe in der Not – denn die wirtschaftliche Lage von Raffinerien
ist schwierig.

Schwedt.Eigentlich herrscht Stillstand auf dem Gelände der Raffinerie PCK in Schwedt. So nennt das Unternehmen zumindest die vierwöchige Produktionspause von vielen seiner Anlagen. Doch tatsächlich ist hier das Gewusel größer, denn: Alte Maschinen aus DDR-Zeiten sollen endlich Neubauten weichen.
Neun von zehn Autos in Berlin fahren mit dem Kraftstoff, der normalerweise durch die Rohre auf dem Gelände fließt. Die Raffinerie an der Oder ist eine von 20 in Deutschland.
Das Rohöl in den silbrigen Leitungen inmitten von grünen Wiesen kommt aus Russland. Durch eine unterirdische Pipeline, Tausende Kilometer lang. Etwa zwölf Millionen Tonnen davon verarbeitet PCK nach eigenen Angaben pro Jahr – und gehört damit zu den größten Raffinerien Deutschlands. Das ist Platz fünf nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbands, knapp hinter der zweiten ostdeutschen Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt.
Für die Großreparatur gibt PCK dieses Mal 160Millionen Euro aus: Das ist ein ganzer Batzen für ein Unternehmen in der strukturschwachen Uckermark. 110Millionen davon fließen in die neuen Anlagen. Eine geschichtsträchtige Summe – so viel wurde hier noch nie investiert. Herzstück wird ein neuer Reaktor: mit rund 350Tonnen das schwerste Bauteil. Noch liegt er groß und gewaltig auf dem Boden unter dem Labyrinth aus Rohren und wartet auf einen Kran, der ihn hochhebt.
„Die Geldmaschine“, nennen ihn die Mitarbeiter. Denn mithilfe eines Katalysators verwandelt er in einem chemischen Prozess minderwertige, schwere Erdölteile in höherwertige, leichte Stoffe. Diese können für mehr Geld verkauft werden. „Ohne die Anlage wäre die Raffinerie unwirtschaftlich“, sagt Verena Leschke. Die 61 Jahre alte Verfahrenstechnikerin mit den blonden Haaren kennt sich aus: Sie arbeitet seit Jahrzehnten hier.
Der Druck auf die Raffinerien ist enorm: In den vergangenen Jahren sind große Raffinerien im Nahen Osten und in Asien entstanden, die sehr effektiv und kostengünstig produzieren. Dort wachsen die Märkte für Ölprodukte, während sie in Europa stag-nieren oder rückläufig sind. „Die Rohölverarbeitung in Raffinerien ist ein typisches Margengeschäft“, sagt Ale-xander von Gersdorff vom Mineralölwirtschaftsverband. Sie leben von der Differenz von Ausgaben für Rohöl und den Einnahmen durch den Verkauf der Endprodukte wie Diesel, Benzin und Heizöl.
Nach einer längeren Durststrecke hat sich die Ertragslage für die deutschen Raffinerien seit dem vergangenen Jahr gebessert. Das liegt da-ran, dass einige kleinere Raffinerien in Europa aus dem Markt ausgeschieden sind.
In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben die deutschen Raffinerien nach Angaben des Hamburger Energie-Informationsdienstes EID brutto 53 Euro je Tonne verdient. Davon gehen Kosten von geschätzten 36 Euro je Tonne ab. „Damit lässt sich mehr als gut leben“, heißt es in dem Fachblatt. Zwischen 2009 und 2011 blieb unter dem Strich dagegen kaum etwas übrig, oder es wurden Verluste erwirtschaftet.
Letztlich stehen Raffinerien vor allem in der Mitte zwischen Erdölförderung und Tankstelle. „Der meiste Gewinn entsteht am Bohrloch“, meint von Gersdorff. PCK zum Beispiel wird von den Gesellschaftern BP und Rosneft, Shell Deutschland Oil und Eni und Total unterhalten – sie kaufen das Rohöl und vermarkten die Produkte. Rund drei Cent pro Liter Benzin verdienen private Mineralölunternehmen etwa laut Verband.
Der große Maschinenpark in der brandenburgischen Auenlandschaft könnte für die Region kaum wichtiger sein, ist er doch mit rund 1100 Menschen einer der größten Arbeitgeber. Ein Hoffnungsschimmer in Zeiten der tiefroten Zahlen in der Solarbranche, die sonst die Gegend bestimmt.Mehr im Lokalen

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