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„Pusteblumen“ im Anmarsch

Üben und Proben ist für die „Pusteblumen“ in Fürstenwerder keine quälende Pflicht, sondern eine Leidenschaft. [KT_CREDIT] FOTO: Monika Strehlow
Üben und Proben ist für die „Pusteblumen“ in Fürstenwerder keine quälende Pflicht, sondern eine Leidenschaft. [KT_CREDIT] FOTO: Monika Strehlow

VonMonika Strehlow

Hornissen, Dorftuten und Blechbienen fliegen in der Nordwestuckermark umher. Jetzt laden sie mit den Jüngsten ins Konzerthaus Quillo ein. Vielleicht wird aus ihnen auch mal „Takt&Ton“.

Fürstenwerder.Landmusik gleich Blasmusik? Ja, klar. Warum denn nicht! Blasmusikanten sind im Osten der Republik inzwischen rar gesät. Und wer nicht kräftig genug in Tuba und Horn blasen kann, der fängt mit Pusten an. So wurde vielleicht die Idee für die jüngste Gruppe des Projektes „Landmusik“ geboren, die Lutz Jonas seit Oktober 2012 an der Grundschule Fürstenwerder betreut.
Den Sieben- bis Zehnjährigen ist das regelmäßige Üben und Proben nach dem Unterricht nicht quälende Pflicht, sondern freudige Kür. Zumindest gehen besonders die Mädchen derart locker mit den Instrumenten um, dass sie sogar beim Gang übern Schulhof mal kurz im Gleichschritt den Trompeten Gleichklang entlocken.
Das Ende des Schuljahres steht kurz bevor und damit auch das große Abschlusskonzert am 16. Juni im Falkenhagener Konzerthaus Quillo. Am Sitz der Kammerphilharmonie Uckermark, unter deren Dach Lutz Jonas 2006 sein Projekt „Landmusik“ aus der Taufe hob, kommen alle Blasmusiker der vier Gruppen zusammen. Es besteht Gefahr, dass sich das Dach der ausgebauten Kulturscheune hebt, wenn die etwa 50 Kinder loslegen.
Die Jüngsten von ihnen sind die „Pusteblumen“. Vor ihnen gingen aus dem für Eltern kostenfreien Musik-Lern-Projekt die „Blechbienen“ in Fürstenwerder hervor. In Gollmitz folgten „Hornissen“, später die „Dorftuten“. Vor allem finanziert aus dem Haushalt der Gemeinde Nordwestuckermark, konnten so Mädchen und Jungen, die viel Interesse und Geduld mitbringen, an den gold glänzenden Instrumenten ausgebildet werden. Lutz Jonas, selbst ausgebildeter Konzertmusiker, will aus ihnen keine Profis machen, sondern lebenslange Freude am Musizieren vermitteln. Trotzdem ist ihm seine eigene Freude anzusehen, wenn er von den Talentwettbewerben berichtet, an denen seine Schützlinge teilnehmen. „Die Gruppen bereichern das Leben auf den Dörfern. Einige haben schon als Preisträger von sich reden gemacht.“ Und mehr noch. Sie entwickeln sich zu selbstbewussten Persönlichkeiten, die sich nicht scheuen, als Viertklässler vor einem 200-köpfigen Publikum solo aufzutreten. Längst sind die ersten Jahrgänge der Grundschule entwachsen. Einige wollen das gemeinsame Musizieren nicht aufgeben. Sie fanden in „Takt & Ton“ eine musikalische Heimat. Diese Formation aus ehemaligen „Blechbienen“ und „Hornissen“ marschiert mit Blechblasinstrumenten und Schlagzeug in Richtung Big Band, erläutert ihr Mentor. Am 23. Juni werden sie in der Aula Grabowstraße der Prenzlauer Diesterwegschule ab 16 Uhr eine Kostprobe ihres Könnens liefern. „Da kracht es richtig mit fettem Sound“, kündigt Jonas an. Mit den vier Kindern, die er selbst an Trommeln ausgebildet hat, verfügt die Gemeinde über einen wahren Schatz an Musikern, der noch intensiver genutzt werden könnte.
Und das Interesse der Nachwachsenden wächst. Nach der ersten Mai-Schnupperstunde, die Jonas in der Grundschule Fürstenwerder gab, meldeten sich 16 von 21Kindern, die an Tuba, Horn und Trompete musizieren wollen. „Die Mädchen und Jungen kennen das von den älteren Mitschülern. Für sie steht fest, dass sie auch mitmachen wollen“, freut sich Lutz Jonas. Ohne die Unterstützung von Sponsoren und Gönnern könnte er allerdings die wachsende Musikerschar nicht so intensiv betreuen. Etwa ein Drittel der Aufwendungen muss er einwerben. Zum Beispiel für die Probenlager. Da geht es nicht nur um Training an den Instrumenten, sondern auch um das Miteinander, das Gruppenfeeling, wie es der Familienvater nennt. Nach dem vielen Proben an der Ostsee und in Rothenklempenow freuen sich die kleinen Blasmusiker nun auf ihr Publikum im Haus Quillo. Ab 15 Uhr erklingen an besagtem Sonntag Titel von Filmmusik über Nena und Peter Fox bis hin zum Tango.

Kontakt zum Autor
m.strehlow@uckermarkkurier.de

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