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Reiches Erbe in Sicht

Zur Imkerei ist Siegfried Holz zufällig gekommen. Ihm geht es nicht um Massenproduktion von Honig, sondern um die Freude an der Arbeit mit den meist friedfertigen Immen. Selbst wenn er mal einen Stich abbekommt, steckt er das gut weg. [KT_CREDIT] FOTO: Monika Strehlow
Zur Imkerei ist Siegfried Holz zufällig gekommen. Ihm geht es nicht um Massenproduktion von Honig, sondern um die Freude an der Arbeit mit den meist friedfertigen Immen. Selbst wenn er mal einen Stich abbekommt, steckt er das gut weg. [KT_CREDIT] FOTO: Monika Strehlow

VonMonika Strehlow

„Flüssiges Gold“ der Uckermark ist in ganz Deutschland begehrt. Siegfried Holz tut alles dafür, das öffentliche Interesse auf die Bienen und die Imkerei zu lenken.

Gollmitz.„Du erbst mal ein Unternehmen mit 100 000 Mitarbeitern, habe ich meinem Enkel Moritz erzählt“, sagt Siegfried Holz und lächelt. Denn natürlich gehört der Gollmitzer nicht zu den oberen Zehntausend der Gesellschaft und sein Enkel Moritz zählt gerade mal eineinhalb Jahre. Da hat der Imker noch viel Zeit, dem Familiennachwuchs die Liebe zu den Bienen ins Herz zu pflanzen.
Er selbst machte erst vor zehn Jahren aus seiner Leidenschaft zum Honig ein ernsthaftes Hobby. Früher imkerten auf den Dörfern noch viele, weiß Holz zu berichten. „Honig habe ich meistens bei meinem Hofnachbarn Andreas Lehmann geholt – als Dankeschön für meine Hilfe, wenn er mal nicht da oder im Urlaub war.“ Eines Tages fiel dessen Abwesenheit ausgerechnet in die Schwarmzeit der Bienen. „Eigentlich hatte ich keine Ahnung, wie das geht. Aber ich wusste mir zu helfen und fing den Schwarm wieder ein“, erzählt er von dem Tag, den er nicht mehr vergessen wird. „Wenn du das kannst, dann kannst du auch Bienen selbst halten, sagte mein Nachbar. Damals fing ich mit zwei Völkern an.“ Inzwischen sind es 14 Bienenstaaten, die in dem kleinen Häuschen mit den bunten Eingängen auf der Sonnenseite wohnen. Mit dem gelernten Koch, der auf ein bewegtes Berufsleben zurückschauen kann, sind es insgesamt vier Imker in dem Gartenareal zwischen Gollmitzer Gutshof, Kirche und Sportplatz. Recht schnell entschied er sich, auch Mitglied im Imkerverein Beenz e.V. zu werden. Das sei nicht nur der Versicherung als Bienenhalter geschuldet. „Dort bin ich immer auf dem Laufenden, bekomme fachlichen Rat gratis.“ Dennoch sorgt sich Siegfried Holz um die Zukunft des Vereins, dessen Mitglieder in die Jahre kommen. „Der Laie kann Honigqualitäten kaum unterscheiden. Wenn man weiß, dass 80 Prozent des in Deutschland verkauften Honigs importiert wird, ist klar, dass Imkern eine Vertrauensfrage ist.“ Kenner würden ihren Honig vor Ort kaufen, dort wo er auch entsteht.
Dennoch: Der finanzielle Anreiz für die Imker fehle, meint Siegfried Holz. Mit Erträgen wie zu DDR-Zeiten, als es fürs Kilo Honig rund 15DDR-Mark gab, ist nicht mehr zu rechnen. „Die Honigwirtschaft Meißen will nicht mal mehr drei Euro für ein Kilo berappen.“ Also vermarktet jeder so gut er kann seinen Honig selbst. Und die hiesigen „Auswanderer“ sorgen dafür, dass das uckermärkische flüssige Gold über Söhne und Töchter in ganz Deutschland begehrt ist.
Zu wenig junge Leute interessieren sich indes für Bienen. Siegfried Holz selbst geht an die Grundschule im Dorf, um den Blick der Jüngsten in die Honigbeuten zu lenken. Ein Magazin im Schulgarten aufzustellen, wäre ein Traum. Doch die Betreuung, die Utensilien kosten Geld… So freut er sich, dass die Interessengemeinschaft der Imker der Uckermark, zu der er auch gehört,auf der Prenzlauer LandesgartenschauMitte Mai eine Schaubeute in Betrieb nehmen will. „Die Imker und die Bienen brauchen mehr Öffentlichkeit, und das ist eine gute Gelegenheit.“

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m.strehlow@uckermarkkurier.de

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