
| Archäologie |
von Monika Strehlow
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Archäologen müssen in Prenzlau nur tief genug graben, um wieder einmal auf eine kleine „Sensation“ zu stoßen. Gaben in jüngster Zeit die zahlreichen Bauarbeiten in Vorbereitung der LAGA 2013 – vom Marktberg bis zur Stadtverwaltung – dazu Gelegenheit, so ist es nun der Umbau der ehemaligen Max-Lindow-Schule, oder auch des Prinzenpalais, wie es viele ältere Prenzlauer noch kennen.
„Schon am ersten Tag unseres Auftrages hier haben wir auf über 14 Metern die Fundamente vom Ostflügel des Franziskanerklosters freigelegt. Selten ist eine obertägig nicht mehr vorhandene Klausur im Untergrund so gut erhalten“, schildert Dr. Manfred Roeder. Er zeigt auf ein 1,20 Meter starkes Fundament, das in der Klosterstraße unter dem ehemaligen Prinzenpalais freigelegt wurde.
Auffällig ist, dass die Flucht des barocken Baus nicht der des Klostermauerwerkes folgt, sondern in Uhrzeigerrichtung versetzt um etliche Zentimeter abweicht.
Roeder ist seit Jahren mit dem „Untergrund“ Prenzlaus vertraut. Unter der Leitung seines Archäologie-Büros wurde zum Beispiel im Frühjahr in der Steinstraße der Zwinger des ehemaligen Steintores von Prenzlau gefunden. Bisher gab es nur auf einem historischen Merian-Stich Andeutungen, wie das Vortor ausgesehen haben muss. Nun gerät er beinahe ins Schwärmen über die reichen Vorkommen auf dem Areal des ehemaligen Franziskanerklosters. Als mittelalterlicher Siedlungskern slawischer Handwerker ist das Gebiet dafür prädestiniert. „Natürlich fanden wir auch Keramikscherben, die auf die Slawensiedlung hinweisen“, zeigt Roeder einige Stücke auf seiner Hand. Anhand der Musterung und Formen kann er schon bei erster Inaugenscheinnahme sagen, aus welcher Ära sie stammen.
„Mitten in diese alte Siedlung aus dem 11. bis frühen 13. Jahrhundert baute man ab 1235/40 ein Franziskanerkloster, gut ein Drittel der Siedlungsfläche wurde so komplett verändert. Klöster gingen im Mittelalter nicht gerade zimperlich mit störenden Gebäuden und deren Bewohnern um“, hatte Matthias Schulz im Februar-„Heimatkurier“ über eben diese Siedlung geschrieben.
Der Prenzlauer Mittelalterexperte ist jetzt regelmäßig in der Klosterstraße zu finden. Schließlich ist auch er begierig auf Zeugnisse, die seine Erkenntnisse und Theorien untermauern. So ist noch ungeklärt, was mit den slawischen Handwerkern geschah, die sich einst in dem Quellgebiet unweit der Ucker niederließen. Der Name Springstraße, wie die Klosterstraße noch bis ins 19. Jahrhundert genannt wurde, kündete davon. „Was stand noch, als das Kloster gebaut wurde, haben die Slawen ihre Siedlung freiwillig aufgegeben, wo standen die Häuser? Manches werden wir wohl nie beantworten können“, sagt Matthias Schulz.
So freut er sich natürlich auch über das Fundament des klösterlichen Ostflügels, das Manfred Roeder dokumentierte. Denn es ist das erste materielle Zeugnis der Klausur des Klosterbaus, die nur noch im ältesten erhaltenen Stadtplan Prenzlaus von 1722 nachvollziehbar ist. „Mehr ist über die Anlage Franziskanerkloster nicht bekannt. Zwar wurde die Baugeschichte der Kirche sehr gut erforscht, doch die Geschichte des Gesamtbaus blieb bisher im Dunkeln.“
Übrigens hatten nicht nur Slawen und Deutsche diesen Punkt auf einer Anhöhe für sich entdeckt, sondern auch Menschen der Bronzezeit. 1980, so erinnert Matthias Schulz, wies Gerhard Kohn beim Bau zweiten Gebäudes hinter dem Prinzenpalais eine bronzezeitliche Siedlung nach.
Derzeit sind Bauarbeiter dabei, es als neues Quartier für Gewerbe und Verwaltung herzurichten, der Uckermark Kurier berichtete. Bis es soweit ist, nutzen die Archäologen jede Möglichkeit, um noch tiefer in den geschichtsträchtigen Untergrund der Klosterstraße vorzustoßen.
Kontakt zum Autor
m.strehlow@uckermarkkurier.de
1799 ließ der Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 12, Prinz Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, auf dem Gelände des ehemaligen Franziskanerklosters ein Palais bauen. Dem Zeitgeschmack folgend wurde das für Wohn- und Repräsentationszwecke bestimmte Gebäude relativ schlicht errichtet. Mit dem Tod des Prinzen richtete man im Palais Mietwohnungen ein. Von 1827 bis 1840 war hier die Post, ab 1854 die Stadtschule I untergebracht. Nach seiner Zerstörung im April 1945 kam es zu einer Neuerrichtung des Gebäudes, in dem sich heute die Allgemeine Förderschule „Max Lindow“ befindet.
Quelle: Jürgen Theil „Prenzlauer Stadtlexikon und Geschichte in Daten“ 1. Auflage, 2005
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