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„So schlimm war es noch nie“

Regionalmanager Torsten Mehlhorn und seine Kollegin Jana Thum bereiten die „Evaluation“ vor.
Regionalmanager Torsten Mehlhorn und seine Kollegin Jana Thum bereiten die „Evaluation“ vor.

Immer, wenn das Ende einer EU-Förderperiode in Sicht ist, drohen die großen Lücken. Wenn sich die Europäische Union über die Mittelverteilung nicht rechtzeitig einigt, hat das Folgen bis ins letzte Dorf. Davon kann Roland Resch, der Vorsitzende des Lokale Arbeitsgruppe Uckermark e. V. (LAG) ein Lied singen. „Doch so schlimm wie diesmal war es noch nie“, betont der in vielen Förderprogrammen bewanderte Experte. Bis die EU ihr Budget nicht eingerichtet hat, entscheiden die Bundesländer nicht über Fördersummen. So warten auch in Brandenburg alle Regionen dringend auf Entscheidungen.

Seit 2007, dem Start für die so genannten Leader+-Regionen in Deutschland, leitet Resch den LAG, der über Landkreis, Sparkasse, Tourismusmarketing Uckermark und drei Regionale Arbeitskreise (RAK) finanziert wird. Bisher flossen auf diesem Weg 34,52 Millionen Euro in die Uckermark. 40 Millionen Euro sollen es bis Ende dieses Jahres sein. Im letzten Jahr der aktuellen Förderperiode fließen die Mittel nicht mehr so reichlich. Dennoch stehen noch einige Projekte Gewehr bei Fuß. So fehlen etwa zwischen Metzelthin und Templin die letzten zehn Kilometer des neuen Radwanderweges „Spur der Steine“.

Jetzt, wo jedes Argument im Kampf um die Verteilung der zu erwartenden Gelder zählt, beauftragt der LAG externen Sachverstand, seine Arbeit zu analysieren und zu bewerten, neudeutsch: zu evaluieren. Der hauseigene Regionalmanager Torsten Mehlhorn führt Regie in der Zusammenarbeit mit der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt mbH. Für rund 20 000Euro hat die auf diesem Gebiet versierte Gesellschaft den Auftrag erhalten, bis zum Juli Ergebnisse der gebietsbezogenen lokalen Strategien in der Uckermark zu beurteilen und Empfehlungen für ein regionales Entwicklungskonzept 2014 bis 2020 zu geben.

Dieses Geld ist offensichtlich gut angelegt. Denn zum einen beobachtet die Landesregierung kritisch die Praxis in der LAG Uckermark – 14 gibt es insgesamt in der Mark – die Arbeit in den RAK, also von den Menschen vor Ort, zu organisieren. Es hat sich bewährt, dass Leute Projekte beurteilen und zur Bewilligung empfehlen, die sich mit den Gegebenheiten ihrer Region auskennen, erklärt Roland Resch.
Darüber hinaus werde sich das neue Entwicklungskonzept Dingen stellen müssen, die 2007 noch nicht abzusehen waren. So spielen Vorhaben zur Nutzung erneuerbarer Energie jetzt schon eine wachsende Rolle. Außerdem muss es künftig möglich sein können, Projekte aus dem ländlichen Raum entwickelt auch in der Stadt einzutakten. So ist zwar die Vermarktung über Q-Regio am uckerländischen Bandelow entstanden, doch Geschäfte in Templin einzurichten, war über Leader+ nicht möglich, nennt der LAG-Chef nur ein Beispiel. „Und wir müssen Wege finden, die geringe Kapitaldecke vieler privater Projektträger abzufedern.“

Der LAG e.V. hat von dem Förderpacken Leader+ und Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) gut profitiert. Unter den großen Themen „Lebensqualität“, Regionale Produkte“, „Tourismus“ wurden an die 300 Projekte auf den Weg gebracht, Darunter „Leuchttürme“ wie die mobile Zahnarztpraxis, die bundesweit für Furore sorgte, oder das Sommercamp für Familien mit ADHS-Kindern oder auch die überregionale Musikkirche Malchow.

Mit rund zwei Dritteln privaten Antragstellern weist die Uckermark eine Besonderheit auf. „Wir wollen auch künftig den Privaten den Rücken stärken. Kommunen haben mehr Möglichkeiten, ihre Vorhaben umzusetzen“, kündigt Roland Resch an. Er hofft auf einen nahtlosen Übergang in die neue Förderperiode. Um 2013 ist ihm nicht bange: Im Januar wurden rund 40 Vorhaben vor allem in den Dörfern im touristischen und Dienstleistungsbereich befürwortet.

Wer 2014 Neues auf den Weg bringen möchte, sollte keinesfalls vor der Bewilligung der Umsetzung beginnen – das hätte sofortige Stornierung zur Folge. Gut beraten sind alle, die ihr Projekt mit ihrem Regionalen Arbeitskreis so vorantreiben, dass sie mit dem Start der neuen Förderperiode loslegen können.

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