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Sohn schreitet zum Glück ein

Die technischen Möglichkeiten des weltweiten Netzes sind mit einem Wust an Kommunikationsmöglichkeiten verbunden, bei denen der Überblick schnell verloren gehen kann.
Wer leichtgläubig auf Gewinn hofft, kann auch Miese machen. Bände davon spricht der Internetbetrug, der auch in der Uckermark zunimmt. Das jüngste Beispiel zeigt, wie erfinderisch die Ganoven sind. So erhielt dieser Tage eine Seniorin ständig Anrufe, bei denen ihr 30 000 Euro in Aussicht gestellt wurden.
Den Anrufern gelang es im Gespräch, Details der persönlichen Situation der Uckermärkerin herauszufinden. Dann wurde die 88-Jährige bedrängt, sich so genannte Paysafe-Cards zu kaufen. Auf denen müsse sie nur die Code-Nummern freirubbeln und per Telefon durchsagen, dann würde ihr der Gewinn überwiesen. Damit war das Beinahe-Opfer überfordert. Denn die Dame wusste natürlich nicht, dass Paysafecards ein legitimes Zahlungsmittel sind, das nach dem Prepaid-System, also der Vorauszahlung, funktioniert.
Einlösbar ist der Gegenwert der bezahlten Summe mit einem Code, der bei den Paysafecards freigegrubbelt werden muss. Wer diese Zahlenkombination kennt, kann sich zum Beispiel im Internet bedienen. So machte sich die alte Dame tatsächlich auf den Weg zur Bank, um 300 Euro für drei Karten a 100 Euro abzuheben – im guten Glauben auf den zehnfachen Gewinn. Als sie aber ihrem Sohn davon erzählte, wurde der Prenzlauer sofort hellhörig. Er stellte Anzeige gegen Unbekannt, die Anrufer haben sich bisher nicht zurückgemeldet.
Diese Masche sei bisher nicht bekannt, meint Gerald Pillkuhn von der Pressestelle der Polizeiinspektion Uckermark. Er ist sich aber sicher, dass künftig noch mehr solcher Fälle vorkommen werden. „Internetbetrug ist im Kommen, in allen möglichen Varianten. Deswegen appellieren wir immer wieder an die Nutzer, ihre WLAN-Verbindung nie ungesichert zu lassen. Und sie sollte auch nicht geöffnet bleiben, wenn sie nicht genutzt wird.“
Es sei bekannt, dass die Betrüger gern mit Fahrzeugen unterwegs sind und so checken, in welche WLAN-Verbindung sie sich einhacken können. „Wer dann ungesichert online in seiner Bank ist, hat schon schlechte Karten.“
Genauso sollten alle E-Mails kritisch geprüft werden, bevor die Empfänger sie öffnen. In jüngster Zeit wurden Fälle bekannt, in denen Mailabsender mit Gewinnchancen lockten. Lassen sich die Empfänger darauf ein, erhalten sie tatsächlich anfangs kleine Summen. Das „Spielgeld“ musste auf Konten überwiesen werden, die später gelöscht wurden. Das ging so lange, bis eine vierstellige Summe für den vermeintlich großen Gewinn überwiesen werden musste – der aber nie beim Spieler ankam. Ein gesundes Misstrauen gegenüber Nachrichten, die den schnellen Gewinn versprechen, sei also angebracht, betont Pillkuhn. „Wichtig ist, dass wir darüber informiert werden, und zwar bevor die Empfänger Opfer von Betrügern werden.“

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m.strehlow@uckermarkkurier.de

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