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Stadt zum Anfassen

In Lüneburg steht ein Bronzerelief der dortigen Altstadt. Der Prenzlauer Lions Club will nun ein solches Stadtmodell auch auf dem Marktberg aufstellen und hofft auf viele Spender, Sponsoren und Unterstützer. [KT_CREDIT] FOTO: Privat
In Lüneburg steht ein Bronzerelief der dortigen Altstadt. Der Prenzlauer Lions Club will nun ein solches Stadtmodell auch auf dem Marktberg aufstellen und hofft auf viele Spender, Sponsoren und Unterstützer. [KT_CREDIT] FOTO: Privat

Eine Stadt zum Anfassen. Auf Fingerkuppen durch die Straßen spazieren. Die Anordnung der Plätze und Mauern ertasten. Die Größenunterschiede zwischen Kirchen und Häusern erkennen. Architektur und Stadtgeschichte erfahren.
Vor 20 Jahren hat der Bildhauer Egbert Broerken aus Welver (Nordrhein-Westfalen) eine Bronzeskulptur für die Stadt Münster entwickelt, die einen Teil der Altstadt maßstabsgetreu zeigt. Kleine Punkte in Blindenschrift geben Erklärungen zu Bürgerhäusern, Kirchen, Straßen. So können auch Sehbehinderte im wahrsten Sinne des Wortes ihre Stadt ertasten, erfahren, begreifen. Die außerordentlich positive Resonanz in Münster ermutigte andere Städte, diesem Beispiel zu folgen, ein Bronzerelief für Blinde und Sehende aufzustellen: Osnabrück, Celle, Halberstadt, Magdeburg, Hameln, Stralsund, München. In Münster stehen mittlerweile vier solcher Reliefs, die jeweils einen anderen Stadtteil zeigen. Nun soll auch in Prenzlau so ein städtisches Bronzemodell aufgestellt werden.

Initiator ist der örtliche Lions Club. „Beim heutigen VR-Bank-Kinderfest stellen wir die Pläne und die Aktion im Dominikanerkloster vor“, sagt Kerstin Oyczysk. Die städtische Bauamtsleiterin ist Projektleiterin im Lions Club für diese einzigartige, aber auch nicht gerade billige Aktion. Circa 30000 Euro wird das 1,60 mal 1,20 Meter große Broerken-Werk kosten. „6000 Euro haben wir schon in der Kasse“, so Kerstin Oyczysk. Spenden sowie die Aktionen des Lions Clubs (Tombola auf dem Weihnachtsmarkt oder Bücherverkauf) sollen die Finanzierung realisieren. Im nächsten Jahr, so hoffen die Initiatoren, soll das Relief auf dem oberen Marktberg vor der Stadtinfo aufgebaut werden. Das Kunstwerk wird aus Goldbronze gegossen und dann mit Hartwachs gegen Korrosion geschützt. Das Relief soll Prenzlau innerhalb der Stadtmauer im Maßstab 1:650 abbilden.

„Ich habe solch ein Relief in Wismar gesehen. Das stand nie alleine, immer war es von Menschen umzingelt“, erzählt die Bauamtsleiterin. Wer fremd in einer Stadt sei, müsse sonst auf Türme steigen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Mit dem Relief würde das viel einfacher sein und auch gerade Blinden und Körperbehinderten eine solche „Draufsicht“ ermöglichen. Die Sockelgestaltung sei noch völlig offen, der Lions Club für Vorschläge und Ideen empfänglich. Heute ab 10 Uhr kann man sich jedenfalls im Kloster mit der Relief-Idee vertraut machen.
 

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