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Stolzer König brütet im Nationalpark

In Brandenburg sind viele Jungschwäne zu beobachten, der Bestand ist stabil.  FOTO: Stefan Adam
In Brandenburg sind viele Jungschwäne zu beobachten, der Bestand ist stabil. FOTO: Stefan Adam

VonStefan Adam

Um den Schwan und seine Treue ranken sich unzählige Mythen, Geschichten und sogar berühmte Märchen. Inzwischen hat sich unter anderem der Höckerschwan wieder in der Region angesiedelt.

Uckermark.Der Schwan gilt als König der Wasservögel: stolz, kraftvoll und majestätisch. Er gehört zu den Entenvögeln und von den weltweit neun bekannten Arten haben sich lediglich drei in Europa niedergelassen. „Neben dem Zwerg- und Singschwan ist hauptsächlich der aus Zentralasien stammende Höckerschwan in unseren Breiten heimisch und entfaltet eine lebhafte Population“, sagt Ornithologe Jochen Haferland.
Der Nasenhöcker, eine rundliche Wulst an der Schnabelwurzel, verlieh ihm seinen Namen. An der anmutigen Halshaltung, die nur dem Höckerschwan eigen ist, vermag man ihn schon aus großer Entfernung zu erkennen. Die formschöne Wirkung ergibt sich dabei durch die Kopfhaltung und den fast immer abwärts gerichteten Schnabel, wo sich der Schwung des Halses fortsetzt. Mit über 20 Brutpaaren im Nationalpark Unteres Odertal und geschätzten 500 Nichtbrütern sei laut Haferland wieder ein stabiler Bestand zu verzeichnen. Die Beruhigung der Natur im Schutzgebiet sei ein Garant für die Population.
Im Park haben die Tiere ihre Ruhe und finden genügend Nahrung. Sie suchen ungestörte Rastbedingungen und verteilen sich entlang des unteren Odertals. Es gebe keine Bedrohung der Art und die großen, kräftigen Tiere haben kaum natürliche Feinde. Zwar dürfen Schwäne von September bis Januar bejagt werden, doch der Schwan gilt als ein Sympathieträger und die Menschen mögen es nicht, dass er in der Bratpfanne landet“, meint Haferland. Das Tier gewöhnt sich leicht an die Nähe des Menschen, ist anspruchslos im Futter und pflanzt sich auch in Gefangenschaft gut fort. Seit Jahrhunderten wird er als Ziervogel auf Seen, Flüssen und Parkteichen gehalten. Alten Quellen zufolge soll dies im Orient erstmals praktiziert worden sein. In der Vergangenheit war es ein Vorrecht der Fürsten, Schwäne zu halten. Die berühmten „Havelschwäne“ wurden zum Beispiel bis 1918 vom Hofjagdamt betreut. Wie der Ornithologe Alfred Hilprecht schrieb, „unterschied man sogar fürstliche und bürgerliche Schwäne, die durch bestimmte Einkerbungen an den Schnäbeln kenntlich gemacht wurden“.
Auf den märkischen Seen wurden im vergangenen Jahrhundert viele Schwäne gefangen und zur Blutauffrischung beispielsweise in der Havel und der Spree ausgesetzt. Von den Menschen wurde er gar in Nordamerika, Südafrika und Australien eingebürgert.
Seitjeher war der Schwan ein begehrtes Jagdziel. Eine erfolgreiche Jagd versprach beträchtlichen Gewinn. Seine Schwingfedern dienten zum Schreiben und die Daunen als Bettfüllung. Das Schmalz fand als Arznei gegen Warzen und Runzeln Verwendung, und das gegerbte Schwanenfell ergab einen begehrten Fußwärmer. Und natürlich landete er auch als Braten auf dem Tisch. Das Fleisch junger Schwäne galt als Delikatesse und wurde gemeinsam mit Pfauenzungen und Fasanenbrüstchen zum opulenten Mahl aufgetragen. Für mittelalterliche Gelage wurden sie, gewürzt und gesotten, wieder in ihr Federkleid gebettet und so aufgetischt.

Ihr Flug ist ein
physikalisches Wunder
Schwäneleben monogam und in harmonischer Eintracht, bestätigen Fachleute. Eine Schwanen-Ehe hält das ganze Vogelleben und kann bis zu 30 Jahre dauern. Ein Beispiel solider Partnerschaft, wovon die meisten Menschen nur träumen können. Anders als der Mensch leben sie in strenger Einehe, bauen gemeinsam ihr Nest, verteidigen ihr Revier und hüten den Nachwuchs.
Mit bis zu 15 Kilo Lebendgewicht zählen sie mit zu den größten Geschöpfen ihrer Art. Dabei grenzt es an ein physikalisches Wunder, dass sich dieser schwere Vogel überhaupt in die Lüfte schwingen kann. Höckerschwäne bringen es auf über zwei Meter Flügelspannweite. Ihr auffallend langer Hals, der dem Körper an Länge gleichkommt, befähigt sie zum Abernten der Wasserpflanzen auch in den tiefer gelegenen Uferregionen. Sie ernähren sich überwiegend von Wasserpflanzen und dem daran hängenden Fisch- und Amphibienlaich. Aber auch Körnerfutter und erweichtes Brot verschmähen sie nicht. „Laut Bestandsschätzung verzeichnen wir im Jahr etwa 1400 bis 1700 Brutpaare in ganz Brandenburg“, berichtet Torsten Ryslavy von der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow. „Dazu kommen geschätzte 500 bis 1000 Nichtbrüter sowie im August
die Jungvögel.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bestand des Höckerschwans vollständig vernichtet und stieg erst durch Schutzmaßnahmen wieder an. „In den vergangenen zwölf Jahren hat er noch einmal zugenommen“, sagt Ryslavy. Vor allem auf wiedervernässten Grünlandflächen siedeln sich die Tiere an.
Auch die milden Winter seien ein Grund, dass immer mehr Tiere in der Region brüten und die Rapsflächen als Nahrungsquelle entdeckt haben. Ein ernstes Problem für die Bauern stellen sie aber nicht dar, meint Ryslavy.
Viele Legenden ranken sich um den grazilen und anmutigen Vogel. Als Gottheit wurde er verehrt, auf Wappen abgebildet, Werbesymbole der Gegenwart tragen sein Bild. Namen wie Schwanenfluss (Westküste Australien), Schwanenau, das Sternbild des Schwan, Tschaikowskis Schwanensee oder auch die Schwanenblume (Butumus), eine in Teichen und langsam fließenden Gewässern wachsende Pflanze, mit bis zu einem Meter hohen Stielen und großen weißen Blüten, sind weitere Beispiele.

Prenzlau hält besondere Verbindung zu den Vögeln
DerSchwanengesang allerdings, wonach der Schwan selbst seinen nahenden Tod ankündigt, gehört in das Reich der Legende. Als eine Art „letzte Tat im Leben“, war und ist er umgangssprachlich vor allem bei Dichtern in Gebrauch. Und unbewusst sind Aussprüche wie „es schwant mir Böses“ auch heute noch vielerorts zu vernehmen. Die Stadt Prenzlau hat gar einen Schwan im Wappen verewigt. Der Legende nach eine Erinnerung an die Regierungszeit Friedrich I., der mit seinem Gefolge am 11. August 1704 auf dem Uckersee in Prenzlau wilde Schwäne jagte.
Der angelsächsische König Edgar wird heute als Initiator der Schwanenpopulation in Europa gesehen, als er im Jahre 966 die Duldung und Betreibung der majestätischen Tiere förderte. Mit gestutzten Flügeln wurden die Schwäne auf Parkgewässern der Krone ausgesetzt. Adelshäuser und reiche Handelsstädte in Europa machten es im Laufe der Zeit nach. Sollten doch die Exoten den Herrschaften zur Freude gereichen.
In Norddeutschland ist die Schwanenhaltung seit 1938 belegt. Die preußische Krone besaß bis 1918 Schwäne auf der Havel. Adlige und Kaufleute nahmen sich aber auch die Freiheit, Höckerschwäne teils über Ländergrenzen hinweg zu verschenken. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten die ersten Höckerschwäne aus europäischer Haltung nach Amerika.
1968 brachte die englische Queen bei einem Besuch dem brasilianischen Staatspräsidenten General da Costa e Silva sechs Schwäne als Geschenk mit. Damit war die Eroberung des letzten höckerschwanfreien Kontinentes abgeschlossen.

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