Teurer Streit um geliehenes Werkzeug

Zwei Unternehmer liegen im Clinch, obwohl sie mehrfach in den vergangenen Jahren gut zusammen gearbeitet hatten. Doch der Streit um das liebe Geld, sprich ausstehende Beträge für erbrachte Leistungen, ließ nicht lange auf sich warten. Auf Mahnungen folgten Ausreden.
Doch die offenen Rechnungen von über 2000 Euro wurden nicht beglichen. Stattdessen sprachen eines Tages Polizeibeamte vor, da der eine Unternehmer vom Schuldner angeblich einen Kettenstemmer – ein Werkzeug zur Holzbearbeitung – im Wert von 2500 Euro ausgeborgt und nicht zurückgebracht hatte. Vor dem Strafrichter des Amtsgerichtes musste sich deswegen ein 46-jähriger Unternehmer wegen Unterschlagung verantworten.
„Ich weiß davon nichts, hab das Teil nicht ausgeliehen“, verteidigte sich der Angeklagte.
„So ein Gerät habe ich mir anderweitig besorgt.“ Er vermutete eine Revanche des Anzeigenerstatters, um ein Äquivalent zu den bestehenden Schulden zu haben. Die offenen Rechnungen und Mahnungen legte er dem Gericht vor. Dabei verwies er auch auf einen persönlichen Besuch beim Anzeigenerstatter, wo er die Mahnung persönlich überbrachte.
Doch dieser, als Zeuge gehört, gab an, den roten Kettenstemmer an dem Tag persönlich an ihn übergeben zu haben. „Es war mein Privateigentum, habe es extra aus der Garage geholt und nur für eine Woche verliehen“, so der Zeuge. Einen Vertrag habe es darüber nicht gegeben. Später habe er mehrfach gemahnt, doch es erfolgte keine Rückgabe. Die Verrechnung mit der offenen Forderung hatte der Angeklagte vorgeschlagen, so der Zeuge. Doch niemand hatte gesehen, wie das Werkzeug übergeben wurde.
Allerdings hatte ein Mann beobachtet, wie der Angeklagte in der fraglichen Zeit mit einem solchen Gerät gearbeitet hat. Zwar war die rote Gehäusefarbe identisch, aber besondere Merkmale des Werkzeuges nicht genau identifizierbar. Doch auch der Angeklagte konnte einen Zeugen benennen, der ihm den Kettenstemmer für sechs Wochen ausgeliehen hatte. „Das war ein älteres Modell in grau, nicht in rot“, bestätigte er.
Obwohl nun Aussage gegen Aussage stand, sah die Staatsanwaltschaft im Kerngeschehen die Unterschlagung als erfüllt an. Das Gericht folgte dieser Auffassung und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro (40 Tagessätze zu je 60 Euro).
Dagegen ging der Verurteilte in Berufung. Letztlich teilte das Landgericht die Auffassung des Amtsgerichtes nicht, da es keinen konkreten Beweis für die Ausleihe des Gerätes gab und die Zeugen recht widersprüchliche Angaben dazu machten. So hieß es einmal mehr: Im Zweifel für den Angeklagten. Freispruch lautete folgerichtig das inzwischen rechtskräftige Urteil.

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