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Uckerländer auf Politreise nach Berlin

Ein Erinnerungsfoto vor dem Brandenburger Tor musste sein. [KT_CREDIT] FOTO: Privat
Ein Erinnerungsfoto vor dem Brandenburger Tor musste sein. [KT_CREDIT] FOTO: Privat

VonMonika Strehlow

Endlich wissen die
Milower Senioren, warum
sie auf dem Nechliner Bahnhof an zwei Türen gleichzeitig aussteigen sollen.

Berlin/Milow.Es war nicht die erste Fahrt von Milowern zum Deutschen Bundestag. Doch diesmal starteten sie ihre „Politreise“ mit der Bahn vom Nechliner Bahnhof aus. „Hin und zurück vom Hauptbahnhof der Gemeinde Uckerland“, wie Fritz Gampe formuliert. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, so sein Augenzwinkern in Richtung Land und Deutscher Bahn, den Haltepunkt zu erhalten.
16 Senioren aus Milow und Kutzerow folgten der Einladung des uckermärkischen CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen zur prall gefüllten Bildungstour. Gemeinsam mit einer Schwedter Gruppe ging es „zunächst ins Gruselkabinett vergangener Tage“, erzählt Fritz Gampe. Ein einstiger Republikflüchtling führte durch die Stasizentrale in der Normannenstraße. Kein Wunder, dass es angeregte Diskussionen gab. Mancher deutete persönliche Erfahrung mit IMs an, mit den inneren Verletzungen. Der „Höhepunkt“ sei Erichs Arbeitszimmer gewesen. „Einfach nur noch gruselig das Ganze. Manch einer hat dann am Ausgang die Unterlagen zur Einsichtnahme in seine MfS-Akte angefordert.“
Im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit wurde die Gruppe von Koeppen erwartet – trotz Sitzungswoche des Bundestages und Tagung seines Ausschusses. Dabei bezog er sich auf die Milower Podiumsdiskussion am 23. Januar, der Uckermark Kurier berichtete, „was uns Milowern natürlich die Brust schwellen ließ“, wie Fritz Gampe verrät. Natürlich durfte eine Stadtrundfahrt nicht fehlen, vorbei an den modernen Gebäuden der Hauptstadt. Bei der Besichtigung der „East-Side-Gallery“ hatten Gegenwart und Vergangenheit die Besucher wieder eingeholt. Nach der zweiten Diskussionsrunde mit Koeppen in einem der Sitzungssäle des Deutschen Bundestags erlebten sie während einer Bundestag-Plenarsitzung „Politik direkt“. Eine Stunde später „verstanden wir den Zusammenhang stundenlanger Ausschussarbeit mit den acht- oder vierminütigen Redezeiten im Bundestag besser“, gesteht der Milower Gampe. Kurz vor dem Heimatbahnhof meinte dann der Schaffner: „Sie wollen alle in Nechlin aussteigen. So viel hatten wir da ja noch nie!“ Dann bat er, die Ausstiegszeiten in Nechlin zu beachten, es seien maximal 30 Sekunden dafür eingeplant. „Er sagte: Dürfte ich Sie bitten, an zwei Türen den Zug zu verlassen? Na, das haben wir dann auch gemacht – und hoffen, damit unserem Bahnhof zu Nechlin den weiteren Betrieb gesichert zu haben!“

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