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Unbekannte hilft Rentnerin aus der Patsche

Ein voller Bus ließ eine Rentnerin in Prenzlau in der Kälte zurück.
Ein voller Bus ließ eine Rentnerin in Prenzlau in der Kälte zurück.

Edelgard Nummer steigen heute noch die Tränen in die Augen, wenn sie daran denkt. So verärgert und verloren hatte die 78-Jährige sich gefühlt, als sie vergangene Woche vor einem überfüllten Bus stand – so voll, dass sie nicht mehr mitfahren konnte. Und das 18 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt und ohne ein Handy in der Tasche.

Begonnen hatte die Reise von Edelgard Nummer mittags in ihrem Heimatdorf Blankenburg. Dort stieg die Seniorin in den Bus nach Prenzlau und erkundigte sich noch beim Busfahrer, wie sie denn zurückkommen könne. Ob der Bus um 15.15 Uhr von Prenzlau nach Blankenburg auch wirklich fahre. Der Busfahrer beruhigte sie – sie müsse sich keine Sorgen machen. Und so ging Edeltraud Nummer beruhigt ihren Einkäufen nach und stand Punkt 15.15 Uhr an der Bushaltestelle. Nur um festzustellen, dass der Bus ausschließlich während der Schulzeiten fährt und dementsprechend vergangene Woche ausfiel.

„Sie sehen doch, dass der Bus voll ist“

Aber noch war Edelgard Nummer nicht bange. Wusste sie doch, dass um 17.12 Uhr ein Bus nach Warnitz fährt, der auch in Blankenburg stoppt. Und so vertrieb sich die 78-Jährige die Zeit in der eisigen Kälte und wartete auf den nächsten Bus – der in Form eines Kleinbusses auch tatsächlich kam. Jedoch: „Vor mir konnte noch ein junger Mann einsteigen und dann war der Bus voll“, schilderte Edelgard Nummer. Der Busfahrer habe zwar noch gefragt, ob nicht jemand aussteigen wolle, aber niemand habe reagiert. Der Busfahrer sagte nur: „Sie sehen doch, dass der Bus voll ist.“ Und fuhr los. Die Rentnerin konnte dem Bus nur noch hinterhergucken.

Auf Nachfrage erklärt die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft, dass sie diesen Vorfall sehr bedaure: „Wir bitten Frau Nummer vielmals um Entschuldigung. Uns tut dieser Vorfall sehr leid“, so Marco Kohtz, Verkehrsmeister bei der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft in Prenzlau. Er verweist darauf, dass diese Buslinie am vergangenen Donnerstag von einem Subunternehmer übernommen worden sei, der die Angelegenheit ebenfalls sehr bedaure. „Aber“, so Marco Kohtz, „ein Busfahrer kann die anderen Fahrgäste nur fragen, ob sie ihren Platz anbieten wollen. Ansonsten sind ihm die Hände gebunden.“

Wie Edelgard Nummer sagt, lief sie danach völlig perplex durch die Straßen Prenzlaus und überlegte hin und her, wie sie jemanden erreichen und nach Hause kommen könnte. Schließlich entschied sie sich dafür, einfach in das nächste Geschäft zu gehen und zu fragen, ob sie dort telefonieren könnte. Edelgard Nummer betrat das Reisebüro Sonnenklar und schilderte Doris Mittelstädt, einer Mitarbeiterin, ihr Anliegen. „Eine sehr, sehr nette Frau“, so Edelgard Nummer. Und die sagte zu ihr: „Beruhigen Sie sich erst einmal. Ich fahre Sie nach Hause.“ Und das tat sie dann auch.

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