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Und zurück bleibt eine todtraurige Oma…

Carmen Dekarz ist eine hingebungsvolle Großmama. Wann immer die 55-Jährige es einrichten kann, betreut sie ihre beiden knapp dreijährigen Enkelsöhne. Doch das ist bald vorbei.
Carmen Dekarz ist eine hingebungsvolle Großmama. Wann immer die 55-Jährige es einrichten kann, betreut sie ihre beiden knapp dreijährigen Enkelsöhne. Doch das ist bald vorbei.

VonClaudia Marsal

Der Exodus der Uckermark dauert an. Auch in diesem Jahr werden wieder Tausende junge Menschen die Region verlassen. Unter ihnen die Tochter von Carmen Dekarz, die mit ihrer Familie gen Ulm zieht. Die 55-Jährige fürchtet vor allem den Verlust der Enkel.

Strehlow.Vorsichtig hievt Carmen Dekarz Enkel Nick auf den Riesenrattanstuhl von Potzlow. Der Kleine sitzt kaum oben, da streckt schon Brüderchen Ben verlangend die Arme nach ihr aus. „Ich auch, Oma“, brabbelt der Knirps, wohl wissend, dass seiner Bitte umgehend Folge geleistet wird, denn die Großmama vergöttert das süße Knabenpärchen.
Mindestens einmal die Woche ist bei den Dekarz’ Oma-Tag. Meist wenn beide Elternteile im Dienst sind und somit auf nächtliche Betreuung ihrer Kleinen angewiesen sind.
„Diese Stunden genieße ich natürlich ganz besonders“, sagt Carmen Dekarz, während sie die Kamera zückt, um ein Erinnerungsfoto von ihren Kleinen auf der Potzlower Sehenswürdigkeit zu machen. Warum Erinnerungsfoto? Diese Frage ist schnell geklärt. Die Strehlowerin versucht jetzt schon vorzubeugen für die Zeit, wenn sie ihre beiden Lieblinge nur noch auf einem Papierbild hat. Diese Stunde ist so fern nicht mehr. Spätestens im August wollen die jungen Leute nämlich nach Ulm ziehen – der Arbeit wegen.
„Als mir meine Tochter von diesen Plänen erzählt hat, bin ich fast umgekippt“, erinnert sich die als Hausdame in einer Pension beschäftigte Frau an den denkwürdigen Tag zurück. Mit Tränen in den Augen versichert sie, dass sie dem Glück der jungen Familie natürlich nicht im Wege stehen wolle. Sie könne durchaus verstehen, dass sie jetzt noch einmal den Schritt in den Westen wagen wollten. „Noch sind sie in den besten Jahren…“ Aber dass Nick und Ben mit in die Ferne ziehen, das behagt der Großmutter natürlich gar nicht. „Ich habe mich so an meine beiden Jungs gewöhnt“, seufzt sie todtraurig. Schließlich hätten sie einige Zeit mit ihren Eltern sogar übergangsweise bei ihr im Haus gewohnt.
„Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie es ohne sie weitergeht.“ Schließlich wohnt ein weiterer Enkelsohn ebenfalls schon im tiefsten Bayern und der vierte auch nicht gerade um die Ecke. Mittlerweile hat sich Carmen Dekarz das Ganze schon mal auf der Karte angeguckt. Exakt 763 Kilometer trennen Prenzlau von Ulm. Bei idealer Verkehrssituation auf der A9 ist man in sechseinhalb Stunden dort unten. Bei Stau kann es gut und gerne zehn Stunden dauern. Gelegenheit, mal kurz zu den Enkeln rüberzuhuschen, wird es also nicht mehr geben. Besuche wollen dann wohl geplant sein. „Noch zwinge ich mich aber, die Sache auszublenden, drei Monate mit den Kindern bleiben mir ja noch…“
Haben Sie, liebe Leser, ähnliche Erfahrungen gemacht. Sind Sie „verwaiste“ Großeltern, meistern aber Ihr Schicksal ganz gut? Dann rufen Sie doch in der Redaktion an und geben Tipps, wie die Trennung gelingen kann.
Telefon: 03984 864712

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