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„Wir sind das Dorf“

Symbolträchtig: Zur 725-Jahrfeier von Ziemkendorf pflanzen Peter Arndt, Manfred Brademann, und Ralf Kanwisch (von links) am Sportplatz einen Kugelahorn.[KT_CREDIT] FOTO: Privat
Symbolträchtig: Zur 725-Jahrfeier von Ziemkendorf pflanzen Peter Arndt, Manfred Brademann, und Ralf Kanwisch (von links) am Sportplatz einen Kugelahorn.[KT_CREDIT] FOTO: Privat

VonMonika Strehlow

Ein Kugelahorn soll davon künden, dass die Ziemkendorfer sich nicht aufgeben. Anlass bietet die Jahrhundertfeier zwischen Kirche, Gutshaus und Sportplatz.

Ziemkendorf.„Guck mal da, Siegfried. Das sind doch Walter und Erich auf der RT, deine Brüder. Und dort ist die Hochzeit deiner Schwester!“ – Manfred Brademann steht mit Siegfried Schmidt vor dem großen Rahmen, in dem uralte Fotos mit Schnur zu einem vielschichtigen Konstrukt verbunden sind. Sein Gegenüber hat die Brille vergessen. Also zeigt Brademann seinem Nachbarn, was er auf den Fotos erkennt.
Wie Lebenslinien durchziehen die Fäden das „Bild“ im Gemeindesaal Ziemkendorfs. In der Mitte und rundum steht auf Tischen Hausrat vergangener Jahrhunderte, Emailleschilder wie „Rat der Gemeinde“, Dokumente und Kirchenbücher lassen die Vergangenheit für kurze Zeit wieder aufleben. Denn Ziemkendorf erinnerte mit einem Festtag an seine Ersterwähnung vor 725 Jahren. 1288 ging es um einen Vergleich des Prämonstratenser-Klosters mit dem Städtchen Gramzow über Rechte in der Feldmark, beim Holzen und Fischen. Dabei taucht Ziemkendorf das erste Mal auf.
Mit aktuell 47 Seelen, hinzu kommt Grenz mit 39, dürfte Ziemkendorf einen historischen Tiefpunkt erreicht haben. Noch weniger gab es vielleicht im 30-jährigen Krieg. Doch das focht die Organisatoren nicht an. „Lassen Sie uns zu keinem Zeitpunkt vergessen: Wir sind das Dorf!“, ermunterte Ortsvorsteher Stefan Krüger nach der feierlichen Andacht in der Kirche. Ziemkendorf sei nicht das Amt Gramzow oder ein verwaltungsrechtlicher Anhang der Gemeinde Randowtal. „Wir selbst sind in der Lage, die Qualität und Vielfalt des Miteinanders zu gestalten“, lenkte er den Blick auf die Nachkommenden. Die Symbolkraft des sich anschließenden Baumpflanzens war mehr als deutlich. So wurde statt eines Grundsteins eine Flasche mit einem Schriftstück in das Wurzelkleid des Ahorns gelegt. Auch das Konzert des Preußischen Kammerorchesters wird unvergesslich bleiben. Mancher hatte noch nie klassische Musik gehört und war so gerührt, dass Tränen flossen, berichtet Stefan Krüger.
Er selbst kennt das Dorf mitten in der Feldmark noch nicht lange, hatte sich erst vor (historisch) kurzer Zeit hier niedergelassen. Doch das Vertrauen in den jungen Mann ist groß, der als Ortsvorsteher, aber auch Vorsitzender des Gemeindefördervereins Randowtal gewählt wurde. Er weiß, wie wichtig junge Leute in dem Dorf mit einem Durchschnittsalter von 60 bis 67 Jahren sind. „Da sind wir froh über jeden jungen Menschen, der zu uns zieht.“

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m.strehlow@uckermarkkurier.de

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