Nordkurier.de

50 Jahre Meister: Knappes Holz und eine Kathedrale

Heinz-Georg Flügel (links) nimmt vom Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rüdiger Fink (rechts) den goldenen Meisterbrief zum 50. Meisterjubiläum entgegen.  FOTO: Birgit Bruck
Heinz-Georg Flügel (links) nimmt vom Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rüdiger Fink (rechts) den goldenen Meisterbrief zum 50. Meisterjubiläum entgegen. FOTO: Birgit Bruck

„Habe in Grunewald mit Genehmigung des Rates des Kreises eine Bautischlerei eröffnet“ – mit dieser winzigen Anzeige in der „Freien Erde“ verkündete Tischlermeister Heinz-Georg Flügel am 1. April 1977 seine Geschäftseröffnung. Als 14Jähriger hatte er 1952 in Halberstadt in einer privaten Tischlerei angefangen, sein Handwerk zu lernen. 1961 setzte er sich für den Meisterbrief noch einmal zwei Jahre auf die Schulbank. Am 23.April 1963 wurde aus dem Gesellen Heinz-Georg Flügel dann der Tischlermeister. Vor genau einem halben Jahrhundert. Das nahm der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Uckermark Rüdiger Fink jetzt zum Anlass, dem Handwerker mit Leib und Seele den „Goldenen Meisterbrief“ zu überreichen. Flügels Frau Christel kommentierte: „Ich gratuliere dir und uns zu 50 Jahren harter Arbeit.“ 1977 beim Umzug nach Grunewald hatte die gelernte Säuglingsschwester ihren Beruf an den sprichwörtlichen Nagel gehängt, um ihrem Mann in der Werkstatt zu helfen. „Von Brettern und Bohlen hatte ich bis dahin keine Ahnung“, blickte sie lachend zurück. Beide erinnerten sich an den Start, als die neue Bautischlerei unter anderem versuchen musste, an das streng kontingentierte Holz zu kommen, das jeweils für ein Jahr zugeteilt wurde. „Wir haben mit ganz alten Maschinen begonnen. Die erste, die ich dann gekauft habe, war eine polnische Bandschleifmaschine. Und die läuft immer noch“, berichtete der heute 74-Jährige. Die Söhne Matthias und Tobias haben Vaters Begeisterung geerbt und sind selbst Tischlermeister geworden. 20 Lehrlinge hat Heinz-Georg Flügel ausgebildet. „Ich habe versucht, ihnen allen die Liebe zum Beruf mitzugeben und was es bedeutet, als Handwerker ordentliche Arbeit abzuliefern“, sagte der Jubilar. Als Obermeister der Tischlerinnung hat er zudem über viele Jahre engagiert für die Interessen des Handwerks im Landkreis gearbeitet, hob Rüdiger Fink hervor. Und was sind sie nun, seine Meisterstücke aus 50 Jahren? Heinz-Georg Flügel, der unter anderem im neuen Rathaus Templin, in vielen Kirchen und Wohnhäusern seine Spuren hinterlassen hat, überlegte lächelnd: „Das Portal der Staatskanzlei in Potsdam, eine spannende und schöne Arbeit gemeinsam mit dem Denkmalschutz. Und die Arbeit an einer neuen Kathedrale im kasachischen Karaganda, das war schon was Besonderes, als 7,50 Meter hohe Holzfenster von hier auf die Reise in Richtung Osten gingen.“
 

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×