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Café-Besitzer verärgert über „Personal-Politik“ von außen

Im Kaffeegarten „Seeblick“ laufen die Inhaber zu Beginn des Saisongeschäftes Achten. Der Koch erkrankt, Ersatz musste kurzfristig eingearbeitet werden. Und eine Kellnerin verließ in dieser Woche das Unternehmen. Nicht etwa, weil sie sich nicht mehr wohl fühlte bei ihrem Arbeitgeber, bei dem sie bereits neun Jahre arbeitete, sondern weil sie sich gedrängt gefühlt habe vom Jobcenter Uckermark.
Sie sei angehalten worden, sich nach einem neuen Job umzusehen, der ihr über das ganze Jahr hinweg ermögliche, unabhängig von Leistungen zur Grundsicherung ihren Lebensunterhalt allein zu bestreiten, ohne aufstockende Hilfen. Dabei wäre sie gern bei ihrem alten Arbeitgeber geblieben, bestätigte sie auf Nachfrage gegenüber dem Uckermark Kurier. Doch sich alle 14 Tage beim Jobcenter rechtfertigen zu müssen, warum sie das eine oder andere Angebot ausgeschlagen habe, das zerre an den Nerven.

Dass sich eine Mitarbeiterin von sich aus nach einem besser bezahlten Job umschaue, hätte Firmenchef Jörg Kreutzfeldt verstehen können. Auch wenn die Unterschiede in der Branche nicht so groß seien. Dass sich aber ein Jobcenter derart von außen in gewachsene, gesicherte Betriebsstrukturen einmische und Personalmarketing gegen die Interessen des Betriebes, einen zuverlässigen Arbeitgeber seit mehr als 15 Jahren, betreibe, empfinde er als unangemessen und gar als Eingriff in die betriebswirtschaftliche Autonomie: Er könne es nur als Schikane werten. Kreutzfeldt hätte mit der langjährigen Kollegin gern weiter zusammengearbeitet, auch wenn er sie nur in der Saison als Vollzeitkraft 40 Stunden in der Woche beschäftigen konnte und außerhalb der Saison mit 20Wochenstunden an das kleine Unternehmen mit insgesamt fünf Beschäftigten band. Mehr werfe so ein Geschäft in der Uckermark an diesem innenstadtfernen Standort am Uferweg mit der Ausrichtung als Ausflugslokal übers Jahr gesehen eben nicht ab, sonst würde er mehr zahlen. Jörg Kreutzfeldt ist sich bewusst, dass Mitarbeiter – wie in der Branche sicher nicht ganz selten – noch aufstockende Hilfen beantragten. Dennoch fragt er sich, ob es dem Jobcenter nicht egal sein könnte, wer am Ende die aufstockenden Hilfen beziehe. Dass er sich nach einer neuen Kraft umsehen müsse, stehe außer Frage. Das war offensichtlich auch dem Jobcenter bewusst. Nachdem der Uckermark Kurier mit den Recherchen zum Thema begonnen und beim Jobcenter nachgefragt hatte, meldete sich prompt dessen Arbeitgeberservice bei dem Templiner Arbeitgeber und bot Hilfe an bei der Vermittlung einer neuen Arbeitskraft. Jetzt spielten die bekannten Konditionen, die ein Auskommen unabhängig von Grundsicherung offensichtlich nicht sicherstellen, scheinbar keine Rolle.

Jörg Kreutzfeldt empfand das als „Frechheit“, habe ihm in seinen Augen doch genau dieses Amt seine langjährige Arbeitskraft ausgespannt, die nun auch noch täglich zur Arbeit pendeln (40 Kilometer pro Tag) und sich ein Auto anschaffen müsse. Ob da am Ende viel mehr bei der Arbeitnehmerin hängen bleibe und ob der neue Job von solcher Beständigkeit sein werde, wie sie der Templiner Firmenchef ermöglichte, bleibe abzuwarten. Bei der Suche nach einer neuen Mitarbeiterin will Jörg Kreutzfeldt jetzt aus Wut über die unfaire Behandlung auf die Hilfe des Jobcenters verzichten. Ein klärendes Gespräch hätte er sich gewünscht, bevor selbiges seine langjährige Kollegin mit neuen Jobangeboten bedrängte.

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