
| Wirtschaft + Soziales |
von Frank Wilhelm
|
Sylke Wienold ist eine der wenigen Menschen, die dem kalten und feuchten Sommer 2011 etwas Positives abgewinnen können. „Das war ein super Schokoladen-Wetter“, strahlt die 44-Jährige, während sie mit leichter Hand in der Chocolaterie in Hammelspring (Uckermarrk) den nächsten kakaobraunen Truck mit weißer Schokolade beschriftet: „Gute Fahrt!“ Wenn die Sonne strahlt, schmilzt nicht nur die Schokolade, dann liegen auch die Urlauber am Strand und meiden Sylke Wienolds Manufaktur. „Bei schlechtem Wetter kommen viele Besucher frustriert zu uns rein, dann aber fühlen sie sich plötzlich richtig gut.“ Spätestens, wenn sich ihre Gäste die Nase an der großen Scheibe plattdrücken, durch die man in den Produktionsraum gucken kann, ist nicht nur der Appetit geweckt, sondern auch das Kaufinteresse. In einem Kessel wird unaufhörlich die weiche Schokolade gerührt. Die Schokoladenmacherinnen lassen die Köstlichkeit in Hunderte Formen fließen: Hochzeitspaare und Motorräder, Mietzekatzen und Teddybären, in Fußbälle und Brüste – geschätzte Körbchengröße C. Welche Männer kaufen denn solche Busen? Sylke Wienold muss lachen: „Doch keine Männer! Frauen kaufen die, die ihren Männern was Gutes tun wollen. Und die Teile laufen richtig gut.“
Die gebürtige Lausitzerin selbst ist über viele Umwege zur uckermärkischen Schokoladen-Macherin geworden. Ursprünglich wollte sie vor der Wende Köchin lernen, wurde aber Kellnerin. 1992 kamen dann Belgier in ihr Heimatdorf und eröffneten eine Confisserie. „Schokolade habe ich schon immer geliebt. Also bewarb ich mich.“ In dem Unternehmen brachte es Sylke Wienold immerhin bis zur Produktionsleiterin, ehe sie dann ausstieg, um noch einmal auf Fachinformatikerin, Spezialgebiet Webdesign und Grafik, umzuschulen. Ihre in Lychen lebende Mutter überzeugte sie schließlich, selbst eine Schokoladenmanufaktur aufzumachen. Ende 2008 produzierte Sylke Wienold ihre erste eigene Schokolade in der ehemaligen alten Schule von Hammelspring, einem Dörfchen wenige Kilometer vom Urlauberzentrum Templin entfernt. Ihre früheren Professionen muss sie nicht als verlorene Zeit ansehen: Die Phantasie, ein wesentliches Element des Kochens, ist auch beim Schokolade-Anrühren wichtig. Etwa wenn die 14 verwendeten Grundsorten mit Rosmarin, Chili, Pfeffer oder diversen Likör-Konzentraten verfeinert werden. Die Kellnerei vermittelte ihr den Service-Charakter, der beispielsweise im Verkaufsraum zu spüren ist. Immer stehen dort einige Schälchen mit Kostpröbchen. Dank ihrer Grafik- und Internetkenntnisse gestaltet Sylke Wienold auch ihre gesamte Werbung allein – angefangen vom Internetauftritt bis hin zu den Flyern. Jetzt, so ist sie überzeugt, hat sie „den besten Job der Welt“ für sich gefunden. Ein Job, dank dessen immerhin acht Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen, weil sie Schokolade in verschiedensten Variationen herstellen, die einfach schmeckt. Das bestätigen auch Ursula und Hubert Epping aus dem Münsterland, die gerade in Templin ihren Urlaub verbringen. „Wir sind in den Ferien immer auf der Suche nach handgefertigter Schokolade. Die Ingwerschokolade aus Hammelspring ist die beste, die wir bisher gegessen haben.“
Trotz aller Energie und Kreativität, die in der engagierten Sylke Wienold stecken, ein leichtes Geschäft ist es nicht. Erst kürzlich gab’s einen derben Nackenschlag, als ein namensähnliches Unternehmen aus den alten Bundesländern ihr eine Klage androhte, sollte sie weiter den Namen „Schokoladen Haus Wienold“ tragen. Die Geschäftsfrau machte das Beste draus: Sie sammelte ihre Mitarbeiter zum Brainstorming, in der nicht nur der neue Name „Chocolaterie Hammelspring“ geboren wurde, sondern auch gleich noch das passende Logo, ein lustig herumspringendes Schaf. Die größte Herausforderung für die Manufaktur ist der Absatz. Die Inhaberin will ihre Produkte nicht in „Billig- oder Käseläden verhökern“. „Wir sind schließlich Schokoladenspezialisten!“ Deshalb achtet Sylke Wienold auch beim Vertrieb sehr auf Qualität: Neben dem Verkauf in der „gläsernen Manufaktur“ gibt’s Schokolade aus Hammelspring seit dem 1. April dieses Jahres auch in einem Geschäft in der Warener Bummelmeile. Seit Ende Oktober werden die Leckereien zudem in einem Laden in der Templiner Altstadtpassage mit angeboten. Und: Sylke Wienold will einen Internet-Handel aufbauen, wobei hier der Lieferung zum Kunden das eigentliche Problem darstellt. „Die Temperatur beim Transport darf nicht höher als 22 Grad sein, sonst schmilzt die Schokolade weg.“ Trotzdem, dieser Tage soll sie starten, die Bestellung aus Hammelspring via Web.
Sylke Wienold hat viele Pläne, aber viel zu wenig Zeit, auch wenn sie das den Besucher kaum spüren lässt. Eine Kindergartengruppe aus Templin strömt in den Flur. Sylke Wienold verziert mit ruhiger Hand noch schnell die letzten Pralinen, ehe sie sich mit einem Schmunzeln die weiße Hygiene-Mütze abstreift. „Oh die Kleinen, bei denen steht Schokolade natürlich besonders hoch im Kurs.“
|
|