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Dirt-Biker wollen hoch hinaus über Templiner Tables

Lars Falkenberg und Oliver Rutkowski schauen, was Lukas schon drauf hat und wie die Hügel noch verbessert werden können. Mit vereinten Kräften soll es gelingen.  FOTOs (2): sigrid Werner
Lars Falkenberg und Oliver Rutkowski schauen, was Lukas schon drauf hat und wie die Hügel noch verbessert werden können. Mit vereinten Kräften soll es gelingen. FOTOs (2): sigrid Werner

„Ich muss mich kurz warm fahren“, sagt der Röddeliner Lukas Zabrocki und schnappt sich sein 26-Zoll-Rad, ein Zwischending zwischen Mountainbike und BMX-Rad. Mit ihm rauscht der 15-Jährige über die noch nassen Hügel der BMX-Bahn an der Kurmeile. Immer höher fliegt er über die Sand- und Lehm-Kuppen. Bei jeder Runde wird er waghalsiger. Eine Hand lässt den Lenker los, zum Schluss lösen sich auch die Füße von den Pedalen. Verliert das Rad an Höhe, fängt er es wieder auf, setzt zur weichen Landung an.

Lukas ist zum sogenannten Dirt-Biken (Dirt = Schmutz) über den Motocross gekommen. Lukas fährt auf einer 125-Kubikzentimeter-Maschine schon für Sponsoren, hat sogar schon seinen Einstand bei Deutschen Meisterschaften gegeben. „Aber das Tempo dort ist Wahnsinn“, sagt er. Da gebe es Bessere als ihn, gibt der 15-Jährige zu. Aber die tollen nichtmotorisierten Bikes auf den Crossplätzen, die haben es ihm angetan. Die stabilen Mountainbikes mit den meist kleineren Rahmen und der speziellen Federgabel, die sich so zum Dirtjump eignen. Und es dauerte nicht lange, da besaß er auch eins. Original ist es längst nicht mehr. Nach jedem Verschleiß – und der ist vorprogrammeirt – baut Lukas möglichst noch etwas Besseres ein. „Manche sagen, das Springen lernst du beim Motocross. Aber das stimmt nicht. Auf dem leichten Bike, das ist ein ganz anderes Gefühl. Das musst du viel mehr unter Kontrolle haben.“ Wie zum Beweis fügt er an: „Beim Motocross habe ich mir nie was gebrochen, mit dem Bike schon zweimal das Schlüsselbein.“ Für das Dirt-Biken gebe es keine Trainer. „Das Fluggefühl und die Technik muss jeder selbst erlernen.“ Das funktioniert nur über regelmäßiges Üben. Lukas ist dafür kein Weg zu weit. Er fährt zum Velopark nach Berlin, genau wie demnächst bis nach Winterberg…
Was die Templiner mit Hilfe von Stadt, Jugendhaus und Sponsoren aufgebaut haben, könne noch nicht mithalten, sei aber schon ordentlich, schätzt Lukas ein. Ausbaufähig eben. Es fehlen noch Rampen und Hügel, von den Double Tables müsste es mehrere hintereinander geben. Er ist sich da einig mit Lars Falkenberg. Der ist schon 36 Jahre alt. Fährt immer noch. Schon seit über 20 Jahren. Ein richtiger Freak eben. Lars sei mit dem Bike in Berlin durch die Röhren der Kanzlerbahn gefahren, noch bevor die Schienen drin lagen, er habe an Film- und Videoproduktionen für ARD und Kinderkanal mitgewirkt. Vor zwei Jahren zog Falkenberg in die Uckermark. In seinem Garten ist sogar Platz für eine eigene Rampe. Um ihn hat sich bereits ein Kreis junger Templiner Biker geschart. Denn Lars hat bereits in Berlin BMX-Projekte initiiert. „Doch immer, wenn sich gerade eine Szene entwickelte, es um Winterquartiere ging, die Rampen für eine Halle gerade fertig wurden, mussten die Jungs wieder raus“, so sein Erleben. In Templin hat Falkenberg die Hoffnung, in der Stadt und im Jugendhaus Partner gefunden zu haben, mit denen ein solches Projekt vielleicht endlich mal von Dauer sein könnte. Ein Workshop mit jugendlichen Bikern in Templin signalisierte: Es gibt Bedarf vor Ort. Die Jungs machten sich an einem Wochenende an den Sandhügeln in der Kurmeile zu schaffen. Schippten und klopften, was das Zeug hielt, um ihre Rampen herzurichten und zu verhindern, dass sie beim nächsten Regen wieder abrutschen. Auch ein Anfängerrundkurs ist so entstanden. Die Arbeit daran hört nie auf. Wind und Wetter setzen der Anlage immer aufs Neue zu. „Wir bräuchten noch mehr Lehm und Unterstellmöglichkeiten für Arbeitsgeräte, damit die Jugendlichen jederzeit selbst zupacken können.“

Falkenberg würde mit den Kids gern in Eigenregie die BMX-Bahn bewirtschaften. „Wir habengerade einen ‚Gemeinnützigen Sportverein‘ gegründet und natürlich die Vision von einer Halle für den Winter“, erzählt Falkenberg. Lukas macht mit. Max Baudert, Max Schulz sind auch dabei. Marko Lehmann ist der zweite Vorsitzende. „Jungs von damals, als in Templin die erste BMX-Bahn an der Ringstraße gebaut wurde, sind mit im Boot“, freut sich der neue Biker-Guru von Templin. Und wenn die Freaks ihre Runden drehen, schauen auch andere Kids von der Skaterbahn sehnsüchtig herüber und trauen sich erst, wenn die „Profis“ das Feld geräumt haben.

Um den Verein vorzustellen, lädt Lars Falkenberg vom 27. bis 30. Juni zu einem Wochenend-Camp zu sich (Waldhaus) in der Petersdorfer Siedlung ein. „Am Freitag wollen wir die BMX-Strecke in Templin austesten“, so Falkenberg. Am Sonnabend um 14Uhr soll es einen Wettkampf in Röddelin geben, wo mitten im Ort eine BMX-Anlage geschaffen wurde, an der auch Lukas schon kräftig mit Hand angelegt hat. Interessenten können Kontakt zu den Bikern über das Jugendhaus aufnehmen oder einfach auf der BMX-Bahn an der Kurmeile vorbeischauen. Donnerstags bis sonntags bestehen Chancen, auch Lars dort zu treffen – denn arbeiten gehen muss auch er.

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