Nordkurier.de

Hat der Bürgermeister die Öffentlichkeit belogen?

Warum hat der Bürgermeister in der Einwohnerfragestunde im März offensichtlich nicht die Wahrheit gesagt? Diese Frage bewegte Stadtverordnete und Einwohner am Montag bei der Stadtverordnetenversammlung (SVV) in Lychen.
Angefangen hatte alles mit einem neuen Steg an der Bootsanlegestelle, der sogenannten Postablage. Geliefert und gebaut vom Sägewerk Bohm aus Hardenbeck. Eine Tatsache, die Uta Waltrich von der Firma Lychener Landhausdielen in der März-SVV zur Frage an das Stadtoberhaupt veranlasste, warum keine Firmen aus dem Ort gefragt worden waren, der Uckermark Kurier berichtete.
Bürgermeister Sven Klemckow hatte daraufhin unter anderem erklärt, dass die Firma von Familie Waltrich zu teuer sei. Im Protokoll dieser Sitzung heißt es: „Die Stadt hat eine Preisliste der Firma vorzuliegen. Die Preise sind einfach zu hoch. Andere Firma haben bessere Angebote und Preise unterbreitet.“ Die Stadt müsse sich an die Vergaberichtlinien halten. Familie Waltrich war erstaunt. Denn sie hatte – da sie nicht dazu aufgefordert war – gar kein Angebot abgegeben. Ebenso wenig die Zimmerei Rauter aus Lychen, die der Bürgermeister ebenfalls benannt hatte. Eine Aussage, an die sich sowohl Stadtverordnete als auch Gäste erinnern, die aber im Protokoll fehlt. Für die Feststellung, dass die Lychener Anbieter zu teuer gewesen seien, hatte es also keine Grundlagen in Form von entsprechenden Angeboten gegeben. Deshalb setzten Uta und Hans-Henning Waltrich am Montagabend nach und wollten wissen, wie der Bürgermeister zur öffentlichen Behauptung kommt, dass die Firma zu teuer sei und deshalb den Auftrag nicht bekommen habe.
Zunächst schob der Verwaltungschef Bauhofleiter Hilmar Alexandrin vor, um das Prozedere von Ausschreibung und Vergabe zu erläutern. Schließlich räumte er selbst ein, nicht gewusst zu haben, wie „es sich verhält“, er habe sich „von der Frage überrumpeln lassen“. Dafür sei die Erklärung mit den hohen Preisen aber schnell zur Hand gewesen, monierte die Firma.
Schließlich stellte der Bürgermeister fest: „Das ist eigentlich nicht meine Aufgabe!“ Auf eine plausible Erklärung oder eine Entschuldigung warteten an diesem Abend alle vergebens.

Kontakt zum Autor
b.bruck@uckermarkkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×