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Im Planwagen durch die Mark: Eine „Polizeiruf“-Kommissarin ist verliebt

Für den neuen rbb-Polizeiruf durchmisst Schauspielerin Maria Simon die Westernstadt Eldorado in Templin. Bald will sie ganz privat mit dem Planwagen zurück kehren.
Für den neuen rbb-Polizeiruf durchmisst Schauspielerin Maria Simon die Westernstadt Eldorado in Templin. Bald will sie ganz privat mit dem Planwagen zurück kehren.

Manchmal liegen Film und Wirklichkeit dicht beieinander: Weil an diesem Sonntag Kommissarin Olga Lenski ab 20.15 Uhr für den Polizeiruf in der Westernstadt Templin ermitteln darf, wird ihre Darstellerin Maria Simon im Sommer der Gegend einen Urlaubsbesuch abstatten - ganz zünftig mit dem Planwagen.
Überhaupt hat die 37-jährige Schauspielerin einen regelrechten Faible für die Region entwickelt.„Brandenburg ist eine schöne Ecke und reizt mich sehr“, sagt die Powerfrau. Gemeinsam mit den vier Kindern und ihrem Mann, Kollege Bernd- Michael Lade, startet sie an freien Tagen von Berlin aus ins Grüne.Sie lobt die Radwege im Gebiet um den Scharmützelsee und die Fischgaststätten in der Region. Als Pankowerin geht es der Nähe wegen oft nach Norden in Richtung Uckermark. Auch den Liepnitzsee kennt sie gut. „Das ist für uns der kürzeste Weg raus in die Mark.“ Die Idee mit der Planwagentour kam beim Dreh in Templin.

Ganz selbstverständlich ist diese Begeisterung jedoch nicht. Denn die gebürtige Leipzigerin empfand ihre ersten Begegnungen mit dem Brandenburgischen alles andere als romantisch.Weil der Vater für die DDR bei der UNO in New York wirkte, wurde sie ab dem zehnten Lebensjahr in Königs Wusterhausen in einem Heim untergebracht. „Die Ost-Staatslenker hatten ja immer Angst, dass die eigenen Leute mit Kind und Kegel im Westen bleiben“, sagt Simon. „Dort waren meiner Erinnerung nach also vor allem Kinder, deren Eltern im nichtsozialistischen Ausland arbeiteten.“ Für Natur und die schöne Umgebung hatte sie damals kein Auge – auch wenn es mehr als einmal zum Badeausflug an den Hölzerne See ging.

Um so mehr kümmert sich Simon heute um ihren Nachwuchs. Trotz aller Arbeit. Trotz langer Drehtage. Wenn es gar nicht anders geht, sei eins der Kinder schon mal mit am Set. „Immerhin geht ein Drehtag oft von von 6 bis 21 Uhr“, erklärt sie. Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, sei letztlich nur eine Frage der Planung. Wenn die funktioniere, bleibe sogar Zeit für die Band „Red Marut“, in der sie zusammen mit Lade spielt. Dazu sagt Simon: „Die Musik ist für mich ein Ventil. Ich sage immer scherzhaft, wir machen dort ,Weltverbesserungsrock‘.“ Und das ist gar nicht mal hunterprozentig ironisch gemeint. Im Gespräch mit Simon wird schnell klar, dass sich die Künstlerin wirklich einen Kopf um diesen Globus macht. In Kino und Fernsehen wolle sie nicht nur so „dahinspielen“, lautet die Ansage. „Ich habe schon eine Botschaft und im Film etwas zu sagen.“ Wenn sie Ellenbogen-Typen, Ego-Trips, wachsende Existenzängste kritisiert, sei dies jedoch "Jammern auf hohem Niveau", räumt sie gleichwohl ein. „Ich freue mich, gesund auf dieser Welt zu sein, einen tollen Ehemann zu haben und in Frieden zu leben.“
Trotzdem braucht es für all das Kraft. Woher die wohl kommt? „Vielleicht liegt es in den Genen“, sinniert Simon. Immerhin war nicht nur der Vater ein Durchstarter. Die kasachische Mutter von ihr hatte Elektrotechnik studiert.

Dann ist Simon bei den Anfängen ihrer Schauspielleidenschaft. Schon als Kind habe sie sich verkleidet. „In meiner Welt war ich dann Lehrerin, Kassiererin oder Kindergärtnerin.“ Erzieherin wollte sie ursprünglich wirklich einmal werden – bis ihr Schwester Susanna Simon, ebenfalls Schauspielerin, die Film- und Theaterkarriere schmackhaft macht. „Kindergärtnerin bin ich ja sozusagen trotzdem noch“, schmunzelt die Mimin in Anspielung auf die eigene Kinderschar. Dass sie wegen der Berufe der Eltern teils bei Oma und Opa in Leipzig aufwuchs, ist Maria Simon heute nicht mehr anzumerken: Sie sagt „Icke“ oder „dit passt“, wie ein waschechter Berliner.

Aus Sachsen zum
Abschluss nach New York
Richtig in der Welt unterwegs war sie erstmals nach der Wende. Simon ging 1990 zu den Eltern nach nach New York und beendete dort die Schule. „Von Leipzig nach New York – das war ein kleiner Kulturschock“, erinnert sie sich. Nach dem Studium an der renommierten Schauspielschule „Ernst Busch“ in Berlin kam das Theater und mit „Zornige Küsse“ 1999 der erste Film. Einem breiten Publikum bekannt wurde sie dann durch die Mitwirklung im Film „Good bye, Lenin!“.
Beim „Polizeiruf“ ist sie seit 2011. Mit Film-Partner, „Polizeihauptmeister Horst Krause“ (gespielt von Horst Krause), bilde sie schon nach der vierten gemeinsamen Folge ein gutes Ermittler-Duo. Die vielleicht treffendste Erklärung, warum das so ist, liefert Simon gleich selbst: „Olga und Horst respektieren sich. Olga hat ihren skurrilen Kollegen lieb gewonnen. Aber die beiden könnten noch mehr über wichtige Sachen philosophieren und verrückte Dinge zusammen machen. Das Duo hat noch Entwicklungspotenzial.“

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