Nordkurier.de

Kamera begleitet Verein UM Queer bei seiner Geschichtsaufarbeitung

Kamerafrau Kirsten Bilz bei den Dreharbeiten für einen israelischen Dokumentarfilm mit dem Verein UM Queer.  FOTO: Birgit Bruck
Kamerafrau Kirsten Bilz bei den Dreharbeiten für einen israelischen Dokumentarfilm mit dem Verein UM Queer. FOTO: Birgit Bruck

VonBirgit Bruck

Eine israelische Filmemacherin dreht einen Dokumentarfilm über die Verfolgung lesbischer Frauen in der Nazizeit. Sie ist dazu auch in Templin.

Templin.Als der Verein UM Queer am Wochenende bei einer Kundgebung auf dem Templiner Marktplatz die Regenbogenfahne hisste, ließ sich Hilla Lavie kein Detail entgehen. Ihre Kamerafrau Kirsten Bilz wich den Akteuren nicht von der Seite. Die israelische Filmemacherin Lavie arbeitet seit vergangenem Jahr an einem Dokumentarfilm, in dem es um die Verfolgung lesbischer Frauen in der Nazizeit und die Aufarbeitung dieser Geschichte geht. „Angeregt wurde ich dazu bei der Einweihung der Gedenktafel für homosexuelle Männer im April 2012 in Ravensbrück“ erzählt Hilla Lavie. Der Verein UM Queer, der sich die Integration und Vernetzung von Schwulen und Lesben in der Uckermark auf die Fahnen geschrieben hat, hatte diese Tafel mit initiiert. Der Antrag des Vereins, auch eine Tafel zur Erinnerung an die lesbischen Frauen im KZ Ravensbrück anzubringen, war damals nach langer Diskussion von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten abgewiesen worden. Die Stiftung hatte argumentiert, dass nicht nachgewiesen sei, dass – im Gegensatz zu den Männern – Frauen aufgrund ihrer sexuellen Identität im KZ inhaftiert gewesen seien. „Diese Auseinandersetzung hat gezeigt, dass die Lebenssituation lesbischer Frauen im Nationalsozialismus bisher offensichtlich wenig erforscht ist. Das hat mich veranlasst, dieses sehr komplexe Thema in Angriff zu nehmen“, sagt die Filmemacherin.
Die Aktivisten vom UM Queer hatte sie bei der Einweihung der Tafel in Ravensbrück kennengelernt. Zahlreiche Gespräche und die ersten Dreharbeiten in Templin – unter anderem ein Interview mit dem damaligen Vereinsvorsitzenden Christian Hartphiel – folgten im selben Jahr.
Hilla Lavie hofft, diesen Dokumentarfilm 2014 fertigstellen und im israelischen Fernsehen zeigen zu können. Möglicherweise kommt sie auch noch einmal in die Uckermark. Denn Christian Hartphiel hat angekündigt, dass UM Queer das Vorhaben, eine Gedenktafel auch für lesbische Frauen aufzustellen, noch einmal in Angriff nehmen will. Dann wäre auch Hilla Lavie wieder hier.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×