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Kleine und große Leute probieren sich im Lehmbau

VonIrene Hummel

Der Naturkindergarten Templin schafft sich ein neues Domizil auf dem Gelände der künftigen Naturschule. Da liegt es nahe, dabei natürliche Baustoffe zu verwenden.

Templin.Draußen an der ehemaligen Waldschule prangt seit Monaten schon in leuchtendem Gelb das Schild „Naturschule“. Drinnen tummeln sich die Handwerker. Vorwiegend Templiner Firmen arbeiten Hand in Hand, damit noch vor dem Ende des Schuljahres der Umzug der Aktiven Naturschule Templin in ihr neues Domizil erfolgen kann.
Die zweite große Baustelle dort ist der neue Kindergarten. Der bisher am Ortsausgang Richtung Prenzlau beheimatete Waldkindergarten wird in den Sommerferien in den Flachbau hinter dem Schulgebäude einziehen. Dieser wird derzeit nach den Bedürfnissen der Kinder umgebaut: kleinere Räume, abgehängte Decken für den Schallschutz, große Außentüren, um Sonne und Licht hineinzulassen.
Dafür muss auch der frühere Lehrerparkplatz weichen. Schon im Sommer wollen die Kinder dort unter einer schützenden Pergola auf ihrer Terrasse sitzen, malen und essen – oder zwischen Hügelbeeten und Beerensträuchern auf der noch anzulegenden Wiese mit Roller und Laufrad herumfahren.
An mehreren „Bauwochenenden“ haben die Eltern von Naturschule und Waldkindergarten nun schon Tapeten von den Wänden abgekratzt, Wanddurchbrüche gemacht, Fliesen abgeschlagen und immer wieder die Baustelle gereinigt, der Uckermark Kurier berichtete. „Wir wollen möglichst viele Eigenleistungen erbringen, um die Kosten für die unerlässlichen Bauarbeiten soweit wie nur möglich zu begrenzen“, erklärt Ingrid Neunhöffer, Mutter mehrerer Kinder und im Vorstand des Trägervereins Freie Schule Prenzlau e.V.
Jetzt gehörte ein „Tag der Arbeit“ allein dem Kindergarten. Von früh an sah man Kindergartenleiterin Andrea Bartelt in einer blauen Latzhose die Maurerkelle schwingen, Lehmputz an die Kita-Wände bringen und ihn in mehreren Schritten glätten. Begeistert und unermüdlich waren eine weitere Erzieherin samt Ehepartner sowie über 20 Eltern mit ihren Kindern dabei.
Als fachkundiger Anleiter fungierte der Baubiologe Falko Martens, der sich mit seinem Naturbaustoffhandel „Bau Mensch Natur“ besonders auf Lehmbau spezialisiert hat. Immer wieder zeigte und erklärte er den engagierten Eltern den Umgang mit dem wunderbar angenehmen Baustoff.
Auch die Mädchen und Jungen konnten manschen, kneten, rühren. Natürlich durften sie auch die Kellen ausprobieren und Lehm an die Wand klatschen und aufziehen, so lange sie wollten. Mit besonderer Ernsthaftigkeit und regelrechter Fachkenntnis war der zukünftige Erstklässler Franz dabei. Andere der größeren Kinder versuchten es auch, selbstbewusst und teilweise sehr ausdauernd. Gegen Mittag waren dann die meisten der etwa 20 Kinder draußen im Sandhaufen der Baustelle zu finden. Bald konnte man dort mehrere Pyramiden und ein kompliziertes Hügel- und Tunnelgebilde bewundern.
An den Wänden des Kindergartens wanderte zeitgleich der Lehmputz zügig und immer professioneller bis an die Decken hoch. Nach getaner Arbeit fanden sich Eltern, Kinder und Erzieherinnen am Grill ein und genossen in der Sonne die mitgebrachten Brat- und Tofuwürstchen, Salate, Gemüsesuppe und Brote.
„Eine echt nette Gemeinschaft“, konstatierten abschließend nicht nur die eingeschworenen Kita-Eltern, sondern auch einige neue Eltern aus Kita und der zukünftigen ersten Klasse der Naturschule, die den Arbeitseinsatz zum Kennenlernen und Ankommen genutzt hatten.
Bis Schule und Kita einziehen können, ist noch viel zu tun. Am 8. und 9. Juni sowie am 15. und 16. Juni setzen die Eltern jeweils ab 9 Uhr ihre Bau-Wochenenden fort. Wie die Organisatoren mitteilten, sind dazu auch die Neu-Eltern aus dem Waldkindergarten und der Grundschule eingeladen.

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red-templin@uckermarkkurier.de

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