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Kommando zurück: Nun sollen (fast) alle Straßen rein

VonSigrid Werner

Und wieder ist das neue Straßenverzeichnis für den Winterdienst in der Stadt Templin durchgefallen. Ein Verdienst nicht zuletzt des Votums in den Ortsbeiräten.

Templin.Nachdem der Uckermark Kurier nach den letzten Sitzungen von Bau- und Finanzausschuss getitelt hatte „Sparzwang: Künftig sollen mehr Anlieger selbst zur Schippe greifen“, war vielen Anliegern in den Ortsteilen, aber auch in den Wohngebietsstraßen bewusst geworden, was es bedeutet, künftig selbst der Räumpflicht nachkommen und den Winterdienst organisieren zu müssen.
Das setzte die Ortsbeiräte unter Druck: Neun der 16 Gremien tagten bereits, nur zwei (Klosterwalde und Beutel) hatten sich für die konsequente Beschränkung auf die nach dem Gesetz räumpflichtigen Straßen ausgesprochen. Auch aus den übrigen sieben Ortsbeiräten sei sicher nicht nur Zustimmung zu erwarten, hieß es.
Bernd Ziemkendorf aus Vietmannsdorf räumte ein, eine Wendung vollzogen zu haben. Er habe sich die Argumente der Bürger noch mal durch den Kopf gehen lassen und wolle jetzt alle Straßen in das Verzeichnis aufgenommen wissen, gerade auch im Interesse von Familien mit Kindern.
Verstärkt einzelne Bürger in die Verantwortung zu nehmen, funktioniere auch praktisch nicht immer, pflichtete Siegfried Boldt ihm bei. Jeder Templiner nutze außerdem nicht nur die Straße vor der eigenen Haustür, sondern auch andere Straßen in der Stadt. Die Stadtväter müssten sich aus Sparsamkeitsgründen nur dazu bekennen, dass wichtige Straßen häufiger, andere eben nicht so oft angefahren werden.
Das ist Ulrich Bräuers Hauptargument seit Jahr und Tag. Wenn es nach ihm ginge, sollen alle Bürger – ein Hoch dem Solidargedanken – gleichermaßen bedient, aber auch alle über die Gebühren an den Kosten beteiligt werden. Das könne für den einzelnen sogar billiger werden. Zumindest für die Stadtkasse nicht unbedingt teurer, hofft Bürgermeister Tabbert. Auch Dr. Horst Albrecht sprach sich für den Solidargedanken aus. Aber die Stadtkasse könne es nicht mehr leisten, im Winter die Straße zu säubern, die Bürger könnten im Winter keine schwarze Straße erwarten. „Sie müssen begreifen, dass die Ansprüche des einzelnen nicht über die der Gemeinschaft gestellt werden dürfen“, sagte er. Andersherum dürfe der Wirtschaftshof mit dem Winterdienst nicht seinen Haushalt sanieren.
Bürgermeister Detlef Tabbert zog die Vorlage zum Straßenverzeichnis zurück. Nun wolle er auf der Basis des alten Verzeichnisses im September erneut eine Aufstellung vorlegen, die auch die neuen Straßen und lange strittige Anliegerstraßen einschließe, versprach er im Hauptausschuss.

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