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Lychen will Wald in der Tangersdorfer Heide kaufen

Große Teile des einstigen Truppenübungsplatzes sind noch immer munitionsverseucht.
Große Teile des einstigen Truppenübungsplatzes sind noch immer munitionsverseucht.

Auch 20 Jahre nach dem Abzug der letzten Ein-heiten der einstigen sowjetischen Streitkräfte (WGT) warnen noch immer Schilder vor dem Betreten und Befahren der Tangersdorfer Heide. Sie markieren die sogenannte rote Zone – ein explosivstoffverseuchtes Gefährdungsgebiet auf dem einstigen Truppenübungsplatz. Die Kosten für die komplette Kampfmittelberäumung auf dem rund 4000 Hektar großen Areal zwischen dem Templiner Ortsteil Vogelsang im Süden und der Grenze zum Landkreis Oberhavel im Norden wurden von Experten einst mit rund 50 Millionen D-Mark angegeben. Eine Mammutaufgabe, die nur schrittweise zu realisieren ist. Erst vor wenigen Tagen verkündete die Stiftung Naturlandschaften die Beräumung eines 117 Hektar großen Streifens in der Nähe von Annenwalde, der Uckermark Kurier berichtete. 2011 hatte die Stiftung auf dem einstigen Übungsplatz 653 Hektar „naturschutzfachlich besonders wertvolles Areal“ gekauft. Die jüngste Munitionsentsorgung bedeutet besonders für Annenwalde eine größere Sicherheit im Falle eines Waldbrandes. Die Sperrung dieses Streifens kann jetzt aufgehoben werden.

Ähnliches hat die Stadt Lychen für ihren Ortsteil Tangersdorf vor. Dazu will sie 279 Hektar Wald von der im Auftrag des Landes tätigen Brandenburgischen Bodenverwaltungs- und -verwertungsgesellschaft (BBG) erwerben. Für diesen Teil im nordwestlichen Bereich der einstigen Armeefläche – dem einzigen, der noch nicht veräußert wurde – hat Lychen einen Kaufantrag bei der BBG gestellt.
„Angrenzend an den bestehenden 30 Meter breiten Brandschutzsstreifen wollen wir auf rund 50 Metern eine Fläche schaffen, auf der im Brandfall nur ein Bodenfeuer entstehen kann. Im Abstand von 20 Metern sollen hier Gassen angelegt und nach Munition abgesucht werden“, erläutert der Lychener Stadtförster Hilmar Alexandrin die Brandschutzpläne auf der explosiven Fläche. Zudem solle generell durch die Aufforstung mit Laubbäumen ein Waldumbau in Richtung nachhaltiger, widerstandsfähiger Mischwald realisiert werden. Lychen wolle außerdem auf diesem Teilstück eine Erschließung des Wohnplatzes an der Schleuse Regow sicherstellen. „Bisher ist das nur über Bredereiche möglich – ein Problem unter anderem für den Rettungsdienst. Mit der Anbindung des Hofes über Wander- und Kutschwege an Lychen würde auch ein touristisches Angebot geschaffen“, sagt der Stadtförster, der auf einen positiven Bescheid aus Richtung Finanzministerium hofft.
Sämtliche Erlöse aus der Bewirtschaftung dieser Waldfläche will die Stadt so lange in die schrittweise Munitionsentsorgung stecken, bis eine hundertprozentige Kampfmittelfreiheit erreicht ist. Dann endlich können auch hier die Verbotsschilder verschwinden.

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