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Mal mit Kinderaugen sehen

„Ich vermisse das hier“ – Monique Scherke besucht auch während ihrer Ausbildung zur Erzieherin   noch regelmäßig die Kinder und Mitarbeiter des Waldkindergartens.  FoTO: Birgit Bruck
„Ich vermisse das hier“ – Monique Scherke besucht auch während ihrer Ausbildung zur Erzieherin noch regelmäßig die Kinder und Mitarbeiter des Waldkindergartens. FoTO: Birgit Bruck

VonBirgit Bruck

Monique Scherke ist in die Uckermark gekommen, um ein freiwilliges ökologisches Jahr zu absolvieren und Erzieherin zu werden. Und sie will hier bleiben.

Templin.„Monique, Monique“, schallt es über den Spielplatz des Waldkindergartens. Monique Scherke ist mal wieder zu Besuch bei „ihren Kindern“. Die 20-Jährige setzt sich lächelnd auf den Rand des Sandkastens und gesteht: „Ich vermisse das hier alles ganz dolle.“ Von September 2011 bis August 2012 kam sie in ihrem freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ) jeden Tag hierher. Heute steckt Monique Scherke mitten in ihrer Ausbildung zur Erzieherin, das erste von drei Ausbildungsjahren am Oberstufenzentrum Uckermark ist fast geschafft. Den Berufswunsch hatte Monique Scherke schon lange. „Mit elf habe ich auf das Baby meiner Nachbarin aufgepasst, mit 14 wusste ich dann, was ich werden möchte“, erzählt sie. Genau diese Nachbarin war es auch, die die junge Frau schließlich in die Uckermark lockte. „Sie zog nach Templin, ihr Kind ging hier in den Waldkindergarten. Ich habe sie besucht, habe alles gesehen, war begeistert und hatte irgendwann den Wunsch, genau hier zu leben und zu arbeiten.“ Zu diesem Zeitpunkt lebte Monique noch im Zossener Orteil Dabendorf südlich von Berlin und ging dort zur Schule. Die verließ sie aber nach der zwölften Klasse – um ein freiwilliges ökologisches Jahr anzutreten. Im Waldkindergarten Templin. „So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, blickt die angehende Erzieherin zurück und erklärt: „Ich habe den notwendigen praktischen Teil für mein Fachabitur absolviert und konnte mich im Kindergarten ausprobieren.“ In Templin bezog sie ihre erste eigene Wohnung und bekam als „FÖJlerin“ das erste selbstverdiente Geld. Ein freiwilliges ökologisches Jahr bietet jungen Menschen zwischen 16 und 27 die Möglichkeit, nach der Schule in verschiedenen Bereichen von Natur, Umwelt und Umweltbildung zu arbeiten. Dafür gibt es ein Taschengeld und einen Zuschuss für Unterkunft und Verpflegung. Im Waldkindergarten arbeiten FÖJler seit zwölf Jahren. „Wir haben tolle Erfahrungen damit gemacht“, sagt Leiterin Andrea Bartelt und ergänzt: „Die Kinder haben zusätzliche Bezugspersonen. Außerdem bringen die jungen Leute immer wieder neue Ideen und Anregungen mit“ So wie Monique, die schnell wusste, dass sie eine richtige Entscheidung getroffen hatte. „Nie werde ich vergessen, wie die Kinder beim morgendlichen Gang in den Wald den ersten Reif bestaunten und den See am ersten Frühlingsmorgen nach einem langen Winter. Ich habe selbst die Natur und den Wandel der Jahreszeiten auf einmal viel bewusster gesehen“, überlegt die junge Frau. „Ein bisschen wie mit Kinderaugen.“ In zwei Jahren – nach ihrer Ausbildung – würde sie gern in „ihren“ Kindergarten zurückkehren.
Ab August gibt es im Waldkindergarten und in der Aktiven Naturschule Templin wieder freie Plätze für ein ökologisches Jahr. Interessenten können sich unter der 03987 54900 melden. Monique Scherke sagt mit leuchtenden Augen: „Ich würde es jederzeit wieder machen“.

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b.bruck@uckermarkkurier.de

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