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Malen mit gemischten Tonen, Nadel und Faden

Tina Bach und Rita Zepf mit Bärbel Makowitz, Hobbykeramikerin und Mitglied im MKC-Vorstand, sowie Kathrin Frese in der Ausstellung vor den „surfing bowls“.  FOTO: Sigrid Werner
Tina Bach und Rita Zepf mit Bärbel Makowitz, Hobbykeramikerin und Mitglied im MKC-Vorstand, sowie Kathrin Frese in der Ausstellung vor den „surfing bowls“. FOTO: Sigrid Werner

VonSigrid Werner

Vom Handwerk zur Kunst – eine Keramikerin und eine Textilkünstlerin geben Inspiration zum Träumen und selbst Schaffen. In der neuen Ausstellung im Multikulturellen Centrum sind genähte und gebrannte Bilder zu bewundern.

Templin.Eine Kunstausstellung, so richtig griffig, auch für jedermann und dennoch voller neuer Ausdrucksformen zeigt das Multikulturelle Centrum Templin seit vergangenem Freitag.
Zur Vernissage konnte MKC-Chefin Kathrin Frese beide Künstlerinnen – Rita Zepf und Tina Bach – persönlich begrüßen und skizzierte in einfühlsamen Worten den Weg der Keramikerin und der Textilgestalterin zu den ganz „feinen Werken“. Beide schöpfen aus den Traditionen eines traditionellen Handwerkes. Beide fanden über die Neugier und den Spaß am Experimentieren zur Kunst.
Rita Zepf, studierte Agrarwissenschaftlerin, machte ihr Hobby zum Beruf. In den 1980er Jahren seien ihr die selbst genähten Sachen in Ostberlin gerade so aus den Händen gerissen worden, berichtete Kathrin Frese. Doch das sei Rita Zepf nicht genug gewesen. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Textilkünstlerin und entdeckte das Nähen ohne Nähfuß beziehungsweise versenkt den Transporteur. Inzwischen malt die Künstlerin auf ihren selbst gefärbten Stoffen, alten Laken, Tischtüchern und was es sonst noch an dekorativen „Leinwänden“ im Haushalt gibt. Gäste der Vernissage zeigten sich begeistert von den filigranen Zeichnungen, Porträts von Kindern beim Wandern, Spielen, Fahrradfahren… Erste Arbeiten fanden schon ihre Käufer. Die beim freien Nähen heraushängenden lästigen Unterfäden, die sonst vernäht und verknotet werden wollten, baut die Künstlerin geschickt in ihre Bilder ein. Selbst der Maler Bodo Neumüller, der seine Landschaften in Öl komponiert, war fasziniert von dieser witzigen Idee.
Selbst ihre Bilder-„Rahmen“ fasst Rita Zepf im freien Spiel mit Nadel und Faden. Auch beim Töpferhandwerk, das in Zeiten, in denen Geschirr viel preiswerter von der Industrie hergestellt werden kann als es Handwerk zu leisten vermag, müsse sich das Verzichtbare immer mehr als das Besondere erweisen und als Kulturgut darauf bestehen, nötig zu sein, zitierte Kathrin Frese den Kunsthistoriker Gustav Weiß, Gründer der Zeitschrift Neue Keramik. Beim Experimentieren mit Formen, Farben und Material erfinde auch Tina Bach immer wieder das Neue und Besondere.
Und so entdecken die Besucher in der MKC-Ausstellung gemalte Bilder aus verschiedenen Tonen. Tina Bach spielt mit ihnen, lässt mal den Zufall gewinnen oder komponiert ganz gezielt, immer gespannt, was der Brand im Holzbrandofen noch dazugibt. Wahre Blickfänge sind ihre Skulpturen und Windspiele aus Ton, die immer wieder die Themen Fisch, Wasser und Meer aufgreifen. Ihre „surfing bowls“ hatte sie einst als Bewerbung auf eine Ausschreibung für die Templiner Wasserspiele gefertigt – auf dem Strand „schwimmende“ Teeschalen. Sie bekam den Zuschlag nicht. Klar, dass die mit nach Templin mussten. Sie passen gut zu dem darüber hängenden Textilgemälde von Rita Zepf mit seinen welligen Formen und den filigranen Schriftzügen.
Gemeinsam auszustellen sind die beiden Frauen gewohnt. Sie betreiben zusammen in Berlin-Kreuzberg einen Schauraum mit dem Titel „ZEBA“ – Zepf und Bach eben. Kunstinteressierte, die wissen wollen, welche handwerklichen Finessen in den ausgestellten Arbeiten stecken, sollten die Soiree zum Abschluss der Exposition im MKC am 27. Mai nicht verpassen. Dann werden die Berlinerin, die inzwischen in der Uckermark eine Heimstatt gefunden hat, und die Warnitzerin wieder in Templin zu Gast sein.

Kontakt zum Autor
s.werner@uckermarkkurier.de

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