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Mit kleinen Dingen anderen eine große Freude machen

Verena Weise findet es spannend, mit ihren ausrangierten, alten Sachen anderen noch eine Freude zu machen.
Verena Weise findet es spannend, mit ihren ausrangierten, alten Sachen anderen noch eine Freude zu machen.

VonSigrid Werner

Dass Templin ein guter Platz zum Trödeln ist, scheint sich nicht nur in der Kurstadt herumgesprochen zu haben. Doch was treibt die Trödler an, stundenlang auf dem Markt zu stehen?

Templin.Für den dritten Flohmarkt auf dem Templiner Marktplatz in diesem Jahr hatten sich bereits 36 Händler im Vorfeld angemeldet. „Gestartet waren wir mit 23Händlern“, berichtet Marktmanager Thomas Holtz von der Tourismus Marketing Uckermark GmbH. Vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Flohmarktfreunden sorgte dafür, dass viele wissen: Von April bis Oktober wird in Templin jeden ersten Sonnabend im Monat getrödelt. „Bei uns gibt es ein interessiertes Publikum“, freut sich Holtz. Für die Initiative „Templiner Pflaster“ scheint die Rechnung aufzugehen, mit dieser wiederkehrenden Aktion die Innenstadt zu beleben. Doch was macht das Trödeln eigentlich so interessant?
Die Templinerin Verena Weise hat bereits zum 45.Mal in Templin einen Flohmarktstand aufgebaut. Es wäre doch zu schade, all die alten nützlichen Dinge wegwerfen zu müssen, die sich mit den Jahren so ansammelten, sagt sie. Außerdem komme man auf den Märkten stets mit interessanten Menschen ins Gespräch. „Manchmal kann man mit kleinen Dingen anderen Menschen große Freude machen“, sagt sie. Genau in dem Moment greift eine Urlauberin gezielt nach einem Fingerspielzeug. 50 Cent möchte Verena Weise dafür noch haben. Die junge Frau gibt spontan einen Euro – manchmal kommt so ein „Geschenk“ eben auch an den Händler zurück. „Sehen Sie, was ich meine?“, nickt Verena Weise bestätigend. Eine Rollstuhlfahrerin fragt nach einem Stickrahmen. „Habe ich nicht dabei, aber ganz gewiss zu Hause.“ Die Templinerin lässt sich die Adresse geben, verspricht, die Rarität rumzubringen. Schön, wenn sie jemandem helfen könne.
Nicht alles ist schon alt, was Thomas und Susanne Neumann auf den Flohmarkt schleppen. In der Freizeit haben sie das Töpfern für sich entdeckt und stellen nun auf dem Flohmarkt neben abgelegtem Spielzeug und Uromas Geschirr auch kleine Dinge aus Keramik aus. „Für nicht alles, was wir in der Freizeit herstellen, ist Platz zu Hause. Da ist es doch schön, wenn wir die vielen kleinen, zweckmäßigen Dinge anderen anbieten können“, erzählt Neumann.
Lukas und Laura Arndt, zehn und sieben Jahre alt, opfern auch gern einen Sonnabend für den Flohmarkt. „Die beiden können ruhig lernen, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst“, unterstützt sie Papa Hartmut, Stadtkämmerer, als Transporteur. Bereits beim vorigen Frühlingsfest haben die Geschwister versucht, für altes Spielzeug Nachnutzer zu finden. Spielzeug wollen sich die beiden übrigens von den Einnahmen nicht mehr kaufen, „Lieber sparen“, sagt Laura. Und Lukas wünscht sich eine neue Mappe.

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s.werner@uckermarkkurier.de

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