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Ohne Training an den Start

Auch Langsamfahren ist eine Kunst, die im Straßenverkehr gebraucht wird.  FOTO: Sigrid Werner
Auch Langsamfahren ist eine Kunst, die im Straßenverkehr gebraucht wird. FOTO: Sigrid Werner

VonSigrid Werner

Zum vierten Mal hintereinander räumen Milmersdorfer Kinder bei der Kreismeisterschaft im Radfahren erste Plätze ab. Warum ist das so?

Milmersdorf.Die Spatzen pfiffen es fast von den Dächern, noch bevor die Punkte bei der Kreisradfahrmeisterschaft der Uckermark gezählt waren: Die Milmersdorfer Schüler machen Gleichaltrigen beim Radfahren etwas vor. Die Viertklässler holten den ersten Platz in der Schulwertung und mit Jonas Becker und Antonia Burr auch Platz eins und zwei. Auf Rang drei kam Ole Feierke von
der Gramzower Anna-Karbe-Schule.
Die drei beherrschten den Drahtesel in kniffligen Situationen am besten und lösten damit auch die Fahrkarte für die Landesmeisterschaft im September in Potsdam. Ihre Leistung ist durchaus hoch einzuschätzen. Sollte sich doch jeder Radler selbst fragen: Wer kann Achten fahren auf schmalen Pfaden, auf schrägen Ebenen ohne abzurutschen, einhändig im Kreis eine Leine führen? Wer fährt 15 Meter länger als 45 Sekunden, ohne abzusteigen, und wer weiß, wie man sich richtig im Straßenverkehr verhält? Auf dem Wettbewerbsparcours war sofort auszumachen, wer solche Hindernis-strecken in der Schule schon geübt hatte und wer – wie die Kinder aus Werbelow oder Gollmitz – den nach ADAC-Regularien aufgebauten Parcours offensichtlich zum ersten Mal sah und auf fremdem Fahrrad mit ungewohntem Lenker einen Kaltstart absolvierte. „Wir haben gedacht, die Kinder kennen die Anforderungen aus der Schule“, sagte Roland Büttner-Janner, der als Vater die Gollmitzer Kinder begleitete. „Ich werde in der Schulkonferenz sagen, dass wir den Parcours üben müssen“, sagte Sohn Lukas.
„Danke, dass so viele Eltern und Großeltern diesmal das Projekt von Polizei, Kreisverkehrswacht und Schulamt unterstützten und die Kinder begleiteten“, freuten sich Dagobert von Ahnen von der Verkehrswacht und Peter Wilhelm, Berater vom Schulamt, dessen Beratungsstunden an Schulen etwas zusammengestrichen wurden, wie er einräumte. Der Erfolg der Kinder hänge also oftmals davon ab, ob es an den Schulen neben engagierten Lehrern Verbündete wie Helmut Rosenow in Milmersdorf oder Klaus Fermum in Templin gebe, die sich seit Jahren hinter das Thema klemmten. Von 36Grundschulen hatten nur zehn Teams insgesamt 29Teilnehmer geschickt.
„Die Geräte für den Parcours stehen bei der Polizei (Klaus-Dieter Kopelke 03984 351081 – d.Red.) in Prenzlau. Ein Anruf und sie bringen sie uns zum Üben vorbei“, erzählte Helmut Rosenow. So einfach sei das dann doch nicht, räumte Polizist Mario Baumgardt ein. Wenn es auf dem Weg liege, dann bringe er den Anhänger auch persönlich vorbei. Andere Schulen – wie die Schwedter – regelten das über Schulträger oder Eltern. Dagobert von Ahnen nahm die Kritik der Kinder an den unmodernen Rädern mit den hohen Lenkern mit in die Vorbereitung der nächsten Meisterschaft. „Die Räder waren ein bisschen blöd“, meinten Oskar Polzin, Emma Neumann und Lenny Krüger von der Goetheschule. In ihrem Alter fahren die meisten mit Mountainbikes.

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s.werner@uckermarkkurier.de

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