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Quälerei hält Erinnerung an harte Arbeit wach

Feuchter Erfahrungsaustausch: Wasser von unten und oben hatten die Lychener Flößer am Sonnabend, als sie den Gästen des Deutschen Flößertages demonstrierten, wie sie Stämme zu Flößertafeln verbinden.
Feuchter Erfahrungsaustausch: Wasser von unten und oben hatten die Lychener Flößer am Sonnabend, als sie den Gästen des Deutschen Flößertages demonstrierten, wie sie Stämme zu Flößertafeln verbinden.

„Das ist eine ganz schöne Quälerei“, kommentiert Klaus Meyer die Anstrengungen jener Männer auf dem Lychener Oberpfuhlsee. Sie versuchen, mit ihren meterlangen Floßhaken einen Kiefernstamm auf ein Floß zu hieven. Auflasten nennt sich dieser Vorgang in der Fachsprache der Flößer. „Da muss man höllisch aufpassen, wo man hintritt“, ergänzt Klaus Meyer. Er weiß, wovon er spricht, ist er doch selbst Flößer im Finowfurter Flößerverein. Dass er und seine Mitstreiter die Gastgeber des 26. Deutschen Flößertages in Lychen besuchen, ist mehr als eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben viel von den Lychenern gelernt“, erklärt Eberhard Seelig, der die Geschichte des 1999 gegründeten Finowfurter Vereins dokumentiert. Wie viel sie den Uckermärkern verdanken, verdeutlicht die Tatsache, dass sie Klaus Krebs, den 2010 verstorbenen Mitbegründer des Lychener Flößervereins zum Ehrenmitglied aufgenommen haben.

Während Flößer aus Winsen den Tafelbau ihrer Kameraden auf dem Oberpfuhlsee verfolgen, plaudern sie darüber, wie sie in ihrer niedersächsischen Heimat die Tradition dieses rauen Handwerks bewahren. „Schauflößen, wie hier in Lychen, betreiben wir nicht. Wir flößen historisch“, erzählt Hans-Hermann Lindhorst, Mitbegründer des Winser Heimatvereins, in dem die Flößer als Arbeitskreis organisiert sind. Alle zwei Jahre binden sie dort ein Floß und flößen es rund 70 Kilometer auf der Aller und der Weser, jenen Flüssen, auf denen ihre Vorfahren bis 1926 Holz bis nach Bremen flößten, wo es unter anderem beim Schiffbau verwendet wurde.

Georg und Irmgard Gebele zählten in Lychen zu den Flößern mit der weitesten Anreise. Die beiden Senioren sind im 830 Kilometer entfernten Kinzigtal im Schwarzwald beheimatet. Dort hat sich ganz neu in diesem Frühjahr ein Flößerverein gegründet. „Als Flößer sind wir aber schon seit zehn Jahren aktiv“, erzählt der 75-jährige Georg Gebele. Anders als in Lychen, wo die Mitglieder des Flößervereins die Baumstämme mit sogenannten Klampen zusammennageln, verbinden sie dort die Stämme wie ihre Vorfahren auf eine sehr aufwendige Weise. „Wir binden sie mit Weiden“, erklärt er. Doch dazu müssen die Weidenstöcke zunächst gewässert, dann im sogenannten Wiedofen erhitzt werden. Auf diese Weise werden die Gerten so geschmeidig, dass sie zu „Holzseilen“ gedreht werden können. Georg Gebele hält es für wichtig, dass die Erinnerung an die Flößerei wachgehalten wird. „Das Handwerk ist Ende des 19. Jahrhunderts, als die Eisenbahn aufkam, zum Erliegen gekommen. Ich finde aber, dass die Flößerei nicht vergessen werden darf“, sagt der Mann aus Schiltach und dürfte damit den in Lychen zusammengekommenen Flößern aus dem Herzen gesprochen haben.

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