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Roter Faden wird zum Wegweiser

Auch Michaela Ambellan spannte einen roten Faden zu ihrer Keramikwerkstatt. Dort warteten auf die Besucher unter anderem „Kraftfrauen und Engelwesen“.
Auch Michaela Ambellan spannte einen roten Faden zu ihrer Keramikwerkstatt. Dort warteten auf die Besucher unter anderem „Kraftfrauen und Engelwesen“.

Wenn in der Flößerstadt die Laternen rote Strickstulpen tragen, lohnt es sich, dem roten Wollfaden zu folgen. Denn der Weg des sich wie zufällig über das Innenstadtpflaster kringelnden Fadens führt geradewegs in offene Ateliertüren. Hier präsentierten am Wochenende nicht nur Künstler und Kunsthandwerker ihre Arbeiten und ihre Lebensphilosophie, sondern luden zu einer besonderen Entdeckungstour durch Lychen ein. Verraten sie doch dem Besucher, welche Orte sie selbst nach Lychen gezogen haben und zur Kunst inspirieren.
Gleich neben der Kirche, aus der die Orgelklänge einer Hochzeitsfeier dringen, zieht der rote Faden in ein offenes Hoftor. Sara und Marc Cato präsentieren ihr Lychen House als überaus lebendigen Treffpunkt, an dem Kunst gemacht, Kunst angeschaut und – nicht nur – über Kunst geredet wird.
Wenige Meter Kopfsteinpflaster weiter im Haus Vogelgesang: Im Hofcafé einen Latte Macchiato, sehens- und kaufenswerte Keramik von Frank Verchau aus Diemitz, bei Veronika Otte Gefilztes und Fotografien von Kerstin Zegenhagen. Die ganz Kleinen buddeln selbstvergessen im Sandkasten, während der Rest der Familie dem dramatischen Bühnengeschehen um Rotkäppchen folgt. Mehr geht nicht auf einem einzigen Hof.
Lychener und Gäste gemeinsam erkundeten auch die Handweberei Uckerlein und die Bilder von Vera von Wilken und Norbert Meier in der Praxis Hagen. Außerhalb des Wollknäuels präsentierten sich Lychener Kontraste: Während mit Renate Trottner in der Kleinen Galerie und Jens Nagel im Exotik-Kunst-Garten Retzow zwei Lychener Maler ihre Ateliers öffneten, ging es in der einstigen Gesamtschule – dem „Lichtschloss“ des Holländers Henri van Zanten – und dem ehemaligen FDGB-Ferienheim in der Fontanestraße experimentell zu.
Umgeben vom morbiden Charme des Zerfalls zeigten dort im einstigen Speisesaal, in Fluren und Duschräumen der Berliner Fotograf Peter van Heesen und Katja Sommerfeld Fotografien und Installationen. Künstler haben zwei der vielen leer stehenden Häuser, deren Zeit vorbei zu sein scheint, erobert. Und sie für ein paar Stunden der Vergessenheit entrissen.
Zurück zum roten Faden in der Innenstadt. In der Stabenstraße lockt er in den Innenhof des Keramikateliers von Michaela Ambellan. Zu ihren „Kraftfrauen und Engelwesen“, zu einem Moment Luftholen und zu angeregten Gesprächen über Lychen und die Welt. Zum Beispiel mit Carolin und Gerhard aus der Südpfalz. „Hier ist es anders schön als bei uns zu Hause“, sagt Carolin lachend. Bei ihrem Kurzurlaub in Lychen seien sie auf wunderbare Seen gestoßen – und auf Menschen, die ihren Ort auch mit roten Wollfäden ein bisschen liebenswerter machen.

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