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Streichquartett soll nicht nur Fledermäuse wecken

Eine Vision wurde lebendig: Die Aula des seit 1996 leerstehenden einstigen Joachimsthalschen Gymnasiums wurde für ein paar Stunden zum Konzertsaal, fast alle der 300 Plätze waren besetzt.    FOTOs: Birgit Bruck
Eine Vision wurde lebendig: Die Aula des seit 1996 leerstehenden einstigen Joachimsthalschen Gymnasiums wurde für ein paar Stunden zum Konzertsaal, fast alle der 300 Plätze waren besetzt. FOTOs: Birgit Bruck

Die Realität: Das einstige Joachimsthalsche Gymnasium steht seit 17 Jahren leer und scheint – obwohl 2007 an einen Investor verkauft – dem Verfall preisgegeben. Die Vision: Templiner defilieren über gepflegte Grünanlagen zur Aula, Fliedersträuße und Kerzen weisen den Weg, helle Kronleuchter geben dem Saal etwas Erhabenes. 50 Menschen aus der gesamten Bunderepublik ließen diese Vision innerhalb von nur drei Tagen mit einem Workshop des Vereinszur Kunst- und Kulturförderung in den neuen Ländern (VKF)wahr werden. Mit Hacke, Schaufel und einer Idee. Schließlich luden sie die Templiner am Sonnabend zu einem außergewöhnlichen Konzert ein. Und die kamen. Das Streichquartett der Jungen Deutschen Philharmonie verzauberte mit einem kontrastreichen Programm den besonderen Konzertort und das Publikum. Das grandiose Finale von Tschaikowskys Streichquartett Nr. 1 scheuchte schließlich auch die Fledermäuse auf, die an diesem Abend vergeblich nach Stille und Dunkelheit auf der Bühne suchten. Aufscheuchen war auch das Anliegen der Initiatoren vom VKF, die ihre Aktion mit einem Appell verbanden an den Eigentümer, an die Stadt, an das Land Brandenburg und „an uns alle“. Eine „temporäre Zwischennutzung“ als Ort für Ausstellungen und Konzerte wäre ein Weg, das Gebäudeensemble dem Vergessen zu entreißen. Auch die Sanierung des einzigartigen Teepavillons am Stadtsee, der von den Workshopteilnehmern zumindest gesichert werden konnte, sei ein lohnenwertes Ziel. Die Konzertbesucher unterstützten es mit insgesamt 1442,90 Euro, die am Ende in den Spendenboxen lagen. Die Ankündigung des Vereins, am 31. August in der Aula ein weiteres Konzert zu veranstalten, wurde mit stürmischem Beifall begrüßt. Lange noch redeten die Templiner und ihre hilfreichen Gäste vom VKF nach dem Konzert miteinander. Ein visonärer Abend.

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