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Verschusselt, gefunden, aufgehoben – aber oft nicht abgeholt

Für unsere Serie „Verborgene Orte“ haben wir uns diesmal in einer Institution umgeschaut, die es wohl in jeder größeren Gemeinde gibt. Sich an deren Existenz zu erinnern, sei jedem von uns angeraten, der etwas Wichtiges „verschusselt“ oder verloren hat. Die Rede ist vom Fundbüro. Wer hier arbeitet, kann so manche
Story erzählen und ist froh, wenn sich nach vielen ehrlichen Findern auch möglichst ebenso viele rechtmäßige Besitzer melden. Das Fundbüro im Thermalsoleheilbad Templin wird vom Ordnungsamt der Stadtverwaltung betrieben, und an der richtigen Stelle sind ehrliche Finder und krampfhaft suchende Verlierer demzufolge im Neuen Rathaus in der Prenzlauer Allee 7.

Für verlorene, aufgefundene und von ehrlichen Mitmenschen abgegebene Dinge sind hier Gerda Pieth, Astrid Cziborra und Klaus Scholz zuständig. „Fast alle bei uns aufbewahrten Fundstücke kommen aus dem Einzugsgebiet der Stadt und ihrer Ortsteile. Entweder werden sie direkt bei uns abgegeben oder wir bekommen sie von Zeit zu Zeit beispielsweise aus der Polizeiwache, von der Tourismus-Marketing Templin, der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft oder aus der Therme“, berichtete Gerda Pieth.
Nach ihrer langjährigen Erfahrung sind übrigens verlorene Schlüssel die „Waisenkinder“ unter den verlorenen Sachen. So mancher fragt nicht einmal danach, ob sich eventuell sein Schlüssel oder Schlüsselbund unter den vielen „Artgenossen“ befindet, die im Fundbüro fein säuberlich beschriftet verwahrt werden. Am häufigsten gehen hier übrigens zudem Fahrräder, Schmuckstücke, Brillen, Uhren, Kameras, Mobiltelefone sowie Rucksäcke oder Sporttaschen ein. Letztgenannte werden übrigens sehr oft in Bussen der UVG vergessen. Es gibt aber auch manch Kurioses zu erfahren: „Uns wurde auch schon einmal ein ganz schöner Batzen Bargeld gebracht oder ein Angelkahn“, berichteten Gerda Pieth und Astrid Cziborra.

Mit den Findern wird zunächst ein Fundprotokoll angefertigt. Anschließend werden die Fundstücke in die sogenannte Fundsachenliste der Stadt aufgenommen. Damit beginnt eine sechsmonatige Abholfrist. Wer einen verlorenen Gegenstand im Fundbüro einlösen möchte, muss sich ausweisen und glaubhaft nachweisen, dass er der rechtmäßige Besitzer ist – zum Beispiel durch eine genaue Beschreibung, mit einem Kaufnachweis oder einer Besitzurkunde wie dem Fahrradpass.

Ist die Abholfrist abgelaufen, ohne dass sich ein rechtmäßiger Besitzer gemeldet hat, gibt es in der Regel drei praktikable Möglichkeiten: Wenn er möchte, kann der Finder es erhalten. Falls dieser darauf verzichtet, bleibt es im Fundbüro bis zum Termin einer öffentlichen Versteigerung oder wird an gemeinnützige Vereine, Organisationen oder Einrichtungen wie Schulen (zum Beispiel Fahrräder) oder das „Kaufhaus für Bedürftige“ des Templiner Vereins gegen soziale Not abgegeben. „Öffentliche Versteigerungen führen wir je nachdem, wie viele Fundstücke sich bei uns angesammelt haben, meist ein- oder zweimal im Jahr durch. Die Einnahmen belaufen sich im Durchschnitt auf 400 bis 700 Euro und kommen dem Stadthaushalt zugute“, war von Gerda Pieth zu erfahren.

Am Tag unseres Besuchs warteten im Panzerschrank beziehungsweise im Lager des Templiner Fundbüros übrigens unter anderem 13 Fahrräder, sechs Brillen, vier Uhren, diverse Schlüsselbunde, einzelne Schlüssel und sogar Autoschlüssel, ein Portemonnaie und drei Mobiltelefone – darunter ein modernes Smartphone, das im MKC gefunden wurde – auf ihre rechtmäßigen Besitzer.

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