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Wann wurde die LPG Typ III in Haßleben gegründet?

Manuela Wuthe und Carola Hartfiel präsentieren erste Ergebnisse ihrer aufwendigen Recherche-Arbeit: ein Dorfmodell des Vorkriegs-Haßleben.
Manuela Wuthe und Carola Hartfiel präsentieren erste Ergebnisse ihrer aufwendigen Recherche-Arbeit: ein Dorfmodell des Vorkriegs-Haßleben.

„Wir kommen mindestens sechs Jahre zu spät“, erzählen Manuela Wu-
the und Carola Hartfiel, die beiden Mitarbeiter auf Zeit der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft Uckermark in ihrem kleinen Büro in Haßleben. Vor sich den Computer, nicht internetfähig übrigens, und Bastelmaterial – ihr „Werkzeug“.
Im Rahmen ihrer MAE-Maßnahme soll ein agrarhistorisches Kabinett in der Baracke der ehemaligen Kindereinrichtung entstehen und Einheimischen wie Touristen die Entwicklung der Landwirtschaft in einem uckermärkischen Dorf ins Gedächtnis zurückrufen. „Die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg – kein Problem“, sagt Manuela Wuthe. Über diese Zeit gebe eine alte Chronik, von Max Wolter 1963 fertiggestellt, detailliert Auskunft.
„Doch danach wird es schwierig. Viele der Bewohner, die die Zeit nach 1945 noch aus eigenem, bewusstem Erleben kennen, wären heute über 80 Jahre alt, viele sind längst verstorben. Andere wollen nicht mehr über alte Zeiten reden“, berichtet Manuela Wuthe von einem guten halben Jahr Recherchearbeit. „Wir haben komplett bei Null angefangen. Die vorhandenen Chroniken aus DDR-Zeiten waren ein lückenhaftes Sammelsurium“, so Manuela Wuthe. Viele Fotos, Zeitungsartikel und Dokumente seien offenbar nach der Wende weggeworfen worden. DDR war out. „Von den ersten Jahren der DDR haben wir fast überhaupt nichts vorliegen“, berichtet sie. Viele Einwohner hätten die frühere DDR-Geschichte einfach verdrängt. Manch einer – früher in verantwortlichen Positionen – hätte es offensichtlich nicht verkraftet, dass nach der Wende die sozialistische – und in Haßleben in besonderem Maße industriemäßige – Landwirtschaft und damit auch ihr Lebenswerk diskreditiert worden waren. Sie wollen sich solche Diskussionen und Aufregung im hohen Alter nicht noch einmal antun. „Dabei geht es uns gar nicht um Bewertung, sondern einzig und allein um Fakten, die uns sonst niemand mehr liefern kann“, wünschte sich Carola Hartfiel mehr Gesprächsbereitschaft. Denn noch immer hätten die beiden Frauen zum Beispiel kein Dokument gefunden, das das genaue Gründungsdatum der LPG „Friedrich Engels“ (Typ III) 1959 in Haßleben belege. Selbige verschmolz später mit der LPG „Ernst Thälmann“ Kuhz zur LPG „10. Jahrestag“ Haßleben-Kuhz, erzählen die beiden Frauen, die einst als Zootechnikerinnen in der Schweinemast Haßleben arbeiteten und seit vielen Jahren ohne Job sind. Die Veränderungen, die Haßleben und seine Landwirtschaft durchlebten, dokumentiert Hartfiel in zwei selbst gebauten Modellen. Das eine zeigt den Ort in seiner alten Bauernhofstruktur mit 13 Höfen und zwei Windmühlen, wie es sie noch 1852 gab. Das andere gibt Aufschluss über die Veränderungen, die die Ansiedlung des SZMK Haßleben mit sich brachten. Mitte dieses Jahres soll die neue Ausstellung fertiggestellt sein, die neben der Agrargeschichte in Haßleben auch eine mobile Ausstellung mit Infotafeln zu landwirtschaftlichen Berufen beinhalte. „Die Freifläche für eine Ausstellung mit Landwirtschaftstechnik herzurichten, werden wir bis zum Auslaufen unserer Maßnahme vermutlich nicht schaffen“, gestehen die beiden Frauen. Freuen würden sie sich allerdings, wenn sich noch weitere Zeitzeugen fänden, um Datenlücken schließen zu können. „Denn was wir jetzt nicht dokumentieren, dürfte irgendwann komplett für die Nachwelt verloren sein“, befürchten die Frauen. Kontakt könne man zu ihnen unter 0152 24943584 aufnehmen.

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