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Wär’ doch gelacht, wenn sich Templin nicht anstecken ließe

VonSigrid Werner

20 Sekunden Lachen soll der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Laufen entsprechen, heißt es. Ein Neu-Uckermärker will Kurstädtern jetzt den Sprint für die Seele beibringen.

Templin.Haben Templiner Senioren nichts mehr zu lachen – vor allem, wenn sie noch was dazu bezahlen sollen? Zur Schnupperstunde im Lachyoga sind es noch mehr als ein Dutzend Teilnehmer. Beim offiziellen Kursbeginn im Seniorenklub lassen sich nur zwei, Christel Priebe und Angelika Link, auf das „Wagnis“ ein.
Sei das nicht falsches, gequältes Lachen? Einfach so, ohne Grund, hört man die beiden auf der Treppe rätseln. Christel Priebe will eigentlich nur was im Seniorenklub erledigen. Anita Link ist durch ihre Ärztin auf die Entspannungstechnik aufmerksam geworden. Lachyogatrainer Hans-Jörg Angele, Mitglied in einem Berufsverband von Yoga-Gesundheitsberatern und Therapeuten, reagiert verärgert, wenn er von „Lachen auf Befehl“ hört. Das sei total falsch. In Templin werde Lachyoga noch nicht so ernst genommen. Woanders gebe es schon viele Lachklubs. Dabei sei es eine ernsthafte Technik, entwickelt von einem indischen Arzt: Ohne direkten Humor ein Lachen aus sich selbst heraus zu erzeugen, das könnten auch jene, die glauben, keinen Humor zu haben, und sei selbst für schwer kranke Menschen geeignet, Wohlbefinden und Heilungsprozess zu unterstützen. „Man muss nur lachen wollen“, sagt Angele. Er verteilt Erinnerungskarten fürs morgendliche Lach-Training vor dem Spiegel. Sein Kurs beginnt mit lachartigen Atem- und „Ho Ho Ha Ha Ha“-Klatsch- und Klopfübungen – zum Aufwärmen. Das Lachen selbst funktioniere vor allem durch die Gruppendynamik. Nachhaltiger als bei jedem Witz. Als Beweis verzieht Angele verschmitzt die Mundwinkel, die Ohren bekommen Besuch. Die Augen verengen sich zu Schlitzen. Aus Angeles Lächeln wird erst leises, dann ganz unvermittelt schallend-lautes, befreiendes Lachen. Die Teilnehmer finden das zuerst ein bisschen komisch, können ihre eigenen Mundwinkel aber schon nicht mehr bremsen. Ein Lächeln breitet sich aus auf ihren Gesichtern, noch stemmen sie sich dagegen, dann bricht es aus ihnen heraus. Worüber sie lachen, können sie nicht genau deuten. Über den Mann vor ihnen? „Nein!“, so Angele, übereinander wird beim Lachyoga nicht gelacht, nur miteinander. Ansteckend ist es, dafür sorgen die Spiegelhormone, die sind schneller als das Denken. Aber man müsse innerlich bereit sein, loszulassen. „Ups“, das will aber trainiert sein. Richtig: „Morgens die Zahnbürste quer in den Mund, das bringt die Mundwinkel nach oben und signalisiert dem Gehirn, unten wird gelacht, das schickt die Endorphine los“, klärt Angele auf. Untrainiert kann Lachyoga richtig Muskelkater bringen,denn Erwachsene lachen nur noch 14- bis 15-mal am Tag.Kinder 300 bis 400-mal. Über 100 Muskeln werden dabei aktiviert. Regelmäßiges Lachyoga bringe medizinische Effekte: Es setzt Glückshormone frei, baut Stresshormone ab, bildet körpereigene entzündungshemmende Stoffe, massiert die inneren Organe, regt die Verdauung an, senkt den Blutdruck, entspannt die Muskeln, macht das Leben leichter…, verspricht Angele.
Wozu also noch Arznei? Auf zum Lachyoga! Man darf gespannt sein, wann ganz Templin lacht: Vielleicht beim nächsten Flashmob im Thermalsoleheilbad. Bis dahin üben die Senioren schon mal jeden Donnerstag von 14 bis 15 Uhr im Seniorenklub im Historischen Rathaus.

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