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Was soll die Regenbogenfahne über der Stadt?

In der Uckermark fast ein Stück Normalität: Traditionell wurde auf dem Templiner Marktplatz die Regenbogenfahne gehisst.
In der Uckermark fast ein Stück Normalität: Traditionell wurde auf dem Templiner Marktplatz die Regenbogenfahne gehisst.

Vielen Passanten ist sie vielleicht gar nicht aufgefallen, die Regenbogenfahne auf dem Templiner Marktplatz. Gehisst am Sonnabendmittag von Teilnehmern des sechsten Queer Days Festivals.
Doch so selbstverständlich wie es scheint, ist diese bunte Fahne vor dem historischen Rathaus nicht. „Was soll die Regenbogenfahne über Templin?“ Mit dieser Frage erinnerte die stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Heise an frühere Jahre und sagte an den langjährigen UM Queer-Chef Christian Hartphiel gewandt: „Ich glaube, wir haben es geschafft“. Und meinte damit eben diese Selbstverständlichkeit, die Regenbogenfahne, die seit den 1970-er Jahren als Symbol der Schwulen und Lesben gilt, mitten in der Stadt zu hissen.
2008, vor gerade einmal fünf Jahren also, war das weder in Templin noch in Prenzlau möglich. Die damaligen Stadtoberhäupter hatten sich den Initiatoren einer „Tour de Toleranz“ quer durch Brandenburg verweigert, die vor den Rathäusern der Etappenstädte die Fahne mit den Regenbogenfarben hissen wollte. Zunächst hatte die Kreisstadt mit dem Verweis auf Formalien abgelehnt, Templin sollte, aber wollte nicht die Alternative werden.
Sechs Queer Days Festivals später war es ein Akt fröhlicher Gelassenheit für die Initiatoren – gemeinsam mit Gästen und Vertretern der Stadt – zunächst mit den technischen Tücken des Fahnenmastes zu kämpfen und schließlich den Regenbogen flattern zu lassen.
1996 hatte es diese Fahne in Deutschland erstmals an die Fahnenstangen vor öffentlichen Gebäuden geschafft, auch der folgende als „Berliner Flaggenkrieg“ bekannt gewordene Streit konnte das nicht verhindern. Aber noch heute gibt es Städte auch in Brandenburg, wo die bunte Fahne nicht vor den Rathäusern geduldet wird.
Der Verdienst, dass es in der Uckermark inzwischen anders ist, gebührt ganz sicher dem Verein UM Queer. Als schwul-lesbisches Netzwerk 2005 gebildet, fand er rasch Freunde und Unterstützer. Im Frühjahr 2010 gründete sich der „UM Queer e.V. – Verein zur Integration und Vernetzung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern in der Uckermark“. Sein Mitbegründer Christian Hartphiel hat in diesem Jahr den Vereinsvorsitz an den FDP-Landtagsabgeordneten und Familienvater Andreas Büttner abgegeben. Das wirkt wie ein Zeichen von Normalität.
Genauso, wie einmal im Jahr die Regenbogenfahne mitten in der Stadt flattern zu lassen. Ein Symbol, das für Vielfalt, Offenheit und Toleranz steht.

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