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Wenn Nachwuchs vor der Tür steht

Sie fühlen sich der Sprache, mit der sie groß geworden sind, nach wie vor verbunden: Liesel Heinrich, Marianne Schäfer, Liesbeth Eckhardt, Juliane Schmedemann, Annemarie Giegler, Irmgard Höft, Günter Schmedemann und Ingrid Dornbusch (von links).  FOTO: MK
Sie fühlen sich der Sprache, mit der sie groß geworden sind, nach wie vor verbunden: Liesel Heinrich, Marianne Schäfer, Liesbeth Eckhardt, Juliane Schmedemann, Annemarie Giegler, Irmgard Höft, Günter Schmedemann und Ingrid Dornbusch (von links). FOTO: MK

VonMichaela Kumkar

Die Mitglieder des „Heidstruks“ sind mit dem Uckermärker Platt groß geworden. Gern möchten sie nun Jüngere für„ihre“ Sprache begeistern. Das ist nicht leicht, aber auch
nicht unmöglich.

Templin.„Eigentlich blüht der ,Heidstruk‘ im August. Wir blühen ein Mal im Monat“, scherzt Günter Schmedemann. Er gehört zu den Mitgliedern des Mundartzirkels „Uckermärk’scher Heid-
struk“. Gegründet hat ihn die Schriftstellerin und Ehrenbürgerin von Templin Erna Taege-Röhnisch vor 35 Jahren. Zeit ihres Lebens setzte sie sich für den Erhalt des Uckermärker Platt ein und wurde für ihr literarisches Schaffen mit mehreren Preisen geehrt.
Bis heute verbunden sind acht Uckermärker der plattdeutschen Sprache und ihrer Literatur. Wenn sie an jedem dritten Dienstag im Monat zusammenkommen, werden neue Texte vorgelesen, die aus eigener Feder stammen, oder Themennachmittage gestaltet. „Een lütten Snack up Platt“ gehört natürlich dazu. Genauso wie die fünf erschienenen Anthologien des Mundartzirkels mit Beiträgen seiner Mitglieder und von Gästen. Die gelungenste ist „Lyrik, Landschaft und Sprache der Uckermark“,
darin sind sich die „Heidstrüker“ einig.
Sie wollen etwas für den Erhalt der Sprache tun, mit der sie selbst groß geworden sind. Allerdings sind die acht auch realistisch. „Volkssprache wird unser Platt nicht mehr werden“, sagt Irmgard Höft. „Unser Zirkel und wir sind in die Jahre gekommen“, ergänzt Annemarie Giegler, bald steht ihr 80. Geburtstag ins Haus. Kontakte zu Kindergärten und Schulen lassen sich da nicht mehr so pflegen wie bislang. Das Interesse jüngerer Generationen am Niederdeutschen scheint dennoch nicht erloschen zu sein, wie mancher glauben mag. Nicht schlecht gestaunt hat Annemarie Giegler, als an ihrer Wohnungstür eine Mutter mit ihren beiden Kindern klingelte: „Wir wollen Platt sprechen lernen“, sagten die Kinder.“ Seitdem unterrichtet Annemarie Giegler Tom und Linda. Sie hat sich die Plattdeutsche Fibel besorgt, die im Rahmen eines Projektes in Schwedt und unter Anleitung des Plattdeutsch-Experten Dr. Eberhard Krienke entstand. „Eine gute Grundlage für jeden, der Interesse an unserer Sprache hat“, findet die Autorin, die den „Heidstruk“ leitet. Inzwischen können die beiden Geschwister fließend Plattdeutsch lesen, haben Gedichte von Max Lindow gelernt und werden bald im DRK-Altenpflegeheim in Templin eine Kostprobe ihres Könnens geben.
Bestärkt fühlen sich die Autoren in ihrem Anliegen, das Interesse am Niederdeutschen aufrecht zu erhalten, auch durch die Resonanz auf ihr plattdeutsches „Ganz nebenbei“, das alle 14 Tage im Uckermark Kurier erscheint. Annemarie Giegler und Günter Schmedemann lassen darin ihren Gedanken über das Leben und kommunale Ereignisse freien Lauf. Die Zirkelvorsitzende hat deswegen schon Post aus Cottbus bekommen. „Wenn wir nach einer solchen Veröffentlichung in die Stadt kommen, werden wir oft darauf angesprochen“, so Günter Schmedemann. „Und manchmal rätselt auch das ganze ,Altstadtcafé‘ in Templin über die Bedeutung eines bestimmten Wortes. Wir geben dann gern Aufklärung“, ergänzt seine Frau Juliane.

Kontakt zum Autor
m.kumkar@uckermarkkurier.de

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