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Wo sind die Vorbilder auf der Straße?

VonBirgit Bruck

In der vierten Klasse steht Fahrradfahren auf dem Stundenplan. Damit werden die Jüngsten fit gemacht für den Straßenverkehr. Was sie gelernt haben, zeigen sie bei einer Prüfung.

Lychen.Die ersten, die an diesem besonderen Vormittag an der Pannwitz-Grundschule Lychen ihre Prüfung bestanden haben, sind die Fahrräder. „Alles kontrolliert, alles in Ordnung – Bremsen, Licht, Klingel, Reflektoren“, sagt Polizeiobermeister Mario Baumgardt und drückt auf 19 Fahrradrahmen einen Aufkleber, der genau das bestätigt. Bei den zehn- und elfjährigen Radbesitzern – natürlich alle mit Fahrradhelm – steigt indes das Lampenfieber. „Ich fahre mit dem Rad zur Schule, seit der dritten Klasse schon, aber heute bin ich trotzdem aufgeregt“, erzählt Henriette Huth. Die Fahrradausbildung für die Viertklässler gehört zum Stundenplan. „Die Kinder sind jetzt in einem Alter, in dem sie nicht mehr auf dem Fußweg fahren dürfen. Also machen wir sie fit für den Straßenverkehr“, erklärt Lehrerin Kerstin Kolloff, die ihre Schützlinge in den vergangenen zehn Wochen auf die Prüfung vorbereitet hat. Mit professioneller Hilfe. Fahrlehrer Lutz Lehmann hat den kleinen Radfahrern vor zwei Wochen schon die theoretische Prüfung abgenommen und mit ihnen auf einem Parcours auf dem Schulhof das sichere Fahren geübt. Heute aber geht es in den „richtigen Verkehr“. Bevor der Polizeiobermeister die Prüflinge auf die Strecke lässt, fragt er noch einmal ab, worauf es beim Linksabbiegen ankommt: Hand raus, auf Gegenverkehr und Fußgänger achten und immer wieder gucken – nach links und auch nach hinten. Vor der Lychener Grundschule gibt es aber auch die sichere und einfachere Variante: absteigen und die Fußgängerampel benutzen. Und dafür entscheiden sich schließlich alle. Mit der Startnummer acht geht auch Henriette auf den Rundkurs. Über die Straße bei Grün, dann auf den Radweg, wieder anhalten, Straße überqueren und am rechten Straßenrand zurück zum Schulhof. Geschafft, aber ob alles richtig war? „Ich glaube, ich habe nicht immer geguckt, vielleicht habe ich auch an einer Stelle vergessen, die Hand rauszuhalten“, überlegt sie. Wenn es so war, haben es die Streckenposten gesehen und notiert.
Mario Baumgardt ist in diesen Tagen an vielen Schulen zwischen Lychen und Schwedt unterwegs, um mit den Kindern über sicheres Verhalten im Straßenverkehr zu sprechen und die Prüfung abzunehmen. Der Polizist weiß, dass Erwachsene nur bedingt als Vorbilder taugen. Auch in dieser Prüfungsstunde fährt ein Auto mit Berliner Kennzeichen – trotz Polizei – bei Rot über die Fußgängerampel, eine Frau radelt auf dem Fußweg an den Kindern vorbei. Denen wurde eben noch gesagt, dass sie die Straße zu benutzen haben. Bei der Auswertung hören auch die Kinder kritische Worte: nicht ausreichend geschaut, von der falschen Seite aufgestiegen, eine ganz flotte Fahrerin überquerte den Überweg an der Ampel auf dem Rad. Doch den Kopf musste niemand hängen lassen – maximal drei Fehlerpunkte hatten die Radprüflinge auf der Strecke eingesammelt. Erlaubt waren sechs. Nele Körner absolvierte die Prüfung als einzige fehlerfrei. Am Ende hatten die Fahrräder eine Prüfplakette, die Kinder den Fahrradpass und ein paar Stunden Übung, die ihnen mehr Sicherheit geben sollten. Nun wäre es gut, wenn sie hier auf vorbildliche und rücksichtsvolle Erwachsene treffen.

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