Zimmerermeister hinterlässt Handschrift

1932 zur 100-Jahrfeier des Sängervereins und 700-Jahrfeier Templins fand dieser Festumzug statt, der auch durch die Prenzlauer Allee führte. Das Fachwerkhaus des Zimmerermeisters Adolf Werner steht heute noch. Auf dem Freiplatz befand sich einst der Zimmererplatz, später der Kraftverkehr.  FOTOs: Archiv SB/SW
1932 zur 100-Jahrfeier des Sängervereins und 700-Jahrfeier Templins fand dieser Festumzug statt, der auch durch die Prenzlauer Allee führte. Das Fachwerkhaus des Zimmerermeisters Adolf Werner steht heute noch. Auf dem Freiplatz befand sich einst der Zimmererplatz, später der Kraftverkehr. FOTOs: Archiv SB/SW

Die Aufnahme aus dem Guckkastenrätsel stammt von 1932, als die Templiner 100 Jahre Sängerverein „Eintracht“ und 700 Jahre Templin feierten und durch die heutige Prenzlauer Allee zogen. Übrigens mit zwei Jahren Verspätung, wie Bärbel Makowitz bestätigte, die noch in diesem Sommer gemeinsam mit ihren Mitstreitern die neue Stadtchronik herausbringen wird.
Als eigentliches Gründungsjahr der Stadt Templin gilt das Jahr 1230. Doch wegen der Wirtschaftskrise hatten die Stadtverordneten im Dezember 1929 beschlossen, die Feier zu verschieben, berichtete Bärbel Makowitz. Als der Sängerverein 1932 sein 100-jähriges Bestehen feiern wollte, ließ sich das gut mit der 700-Jahrfeier Templins verbinden und die Stadt klinkte sich ein. Die Sänger (unser Foto) zogen damals übrigens zum Schützenhaus in den Bürgergarten.
Herbert Rengert aus Templinhat zu Hause noch ein Festumzugsfoto seines Onkels von damals – aus der heutigen Thälmannstraße. Und es existieren auch noch alte Aufnahmen vom Umzug in der Mühlenstraße. Das Interessanteste an dem gestern veröffentlichten Foto allerdings schien den meisten Anrufern der gut zu lesende Hinweis auf den Betrieb von Adolf Werner. Der Zimmerermeister führte in der ehemaligen Arnimstraße die Zimmerei samt Sägewerk bis etwa 1937, bevor er den Betrieb an die Architekten und Baumeister Richard Hauck und Ernst Bade abgab, wusste auch Bärbel Sydow aus Hardenbeck zu berichten.
Sowohl Herbert Rengerts Vater und Großvater als auch der Vater von Gerhard Sydow aus Hardenbeck, die Väter und/oder Großväter von Elfriede Sydow und Gerda Pohl (beide Templin) haben in diesem Betrieb gearbeitet oder sogar den Beruf des Zimmermanns erlernt.
Auch Friedrich Ullrich (heute Shanghai) hat eine ganz persönliche Beziehung zu diesem Betrieb, kann er doch auf verwandtschaftliche Verhältnisse zum Nachfolger von Adolf Werner, Ernst Bade, verweisen. Im Fachwerkhaus, das heute noch steht, habe Meister Adolf Werner einst gelebt, wusste auch der Templiner Klaus Behm. Der Zimmerermeister Adolf Werner hatte es in Templin mit seinem Handwerk zu anerkannter Meisterschaft gebracht. Er hinterließ seine Handschrift am Kreishaus, an der Post, am Joachimsthalschen Gymnasium, an der Bürgerschule (heute Goetheschule). Später arbeitete er im Baudezernat der Stadt und wurde in den 30er Jahren zum Ehrenbürger Templins ernannt, berichtete Margit Dura. Unterhalb des Betriebes und des Zimmererplatzes (später alter Kraftverkehr, Parkplatz, jetzt Brachfläche) lenkten die Flößer Holzstämme zum Sägewerk. Den Hinweis des Uckermark Kurier auf die 100-jährige Tradition einer kulturellen Einrichtung gleich nebenan wussten ebenfalls viele Anrufer zu deuten. Im Seebad – Hotel mit Restaurant und Kursaal – am Standort des heutigen MKC wurde ab Dezember 1913 zweimal wöchentlich mit einer mobilen Anlage Lichtspielbetrieb ermöglicht, so MKC-Chefin Kathrin Frese. Theo Rettich, der ab 1929 in der Mühlenstraße die Schauburg betrieb, die 1945 abbrannte, setzte am MKC-Standort nach 1945 die Kinotradition fort. Das wusste auch Elfriede Sydow zu berichten. Die Kinotradition konnte in Templin bis heute bewahrt bleiben. Keine Selbstverständlichkeit für kleine Kinohäuser auf dem Lande, wie Kathrin Frese hervorhob.
 

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