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Das kann nicht einmal Harry Potter! Aber Scheffler kann’s

Jochen Scheffler demonstriert es: Die Drähte kreuzen sich über dem Ring, der im Gras liegt. So einfach findet der Senior auch jede Leitung im Boden oder verschüttete Brunnen. Das ist keine Zauberei, sagt er. Jeder kann es ausprobieren.  FOTOs: S. weirauch
Jochen Scheffler demonstriert es: Die Drähte kreuzen sich über dem Ring, der im Gras liegt. So einfach findet der Senior auch jede Leitung im Boden oder verschüttete Brunnen. Das ist keine Zauberei, sagt er. Jeder kann es ausprobieren. FOTOs: S. weirauch

VonSimone Weirauch

Der spinnt doch! Das muss sich Joachim Scheffler anhören, wenn er mit zwei gebogenen Schweißdrähten in seinen Händen nach Leitungen sucht. Doch bisher ist er immer fündig geworden. Und die Zweifler verstummen.

Ueckermünde.Als sein Nachbar ihm eines Tages erzählte, dass er seinen Ehering am Strand verloren hat, konnte Joachim Scheffler helfen. Mit zwei Alu-Schweißdrähten, die er im 90-Grad-Winkel zurecht bog. „Die beiden Drähte, locker in der Faust gehalten, zeigen dir, wo der Ring liegt.“ Sein Nachbar hat es nicht geglaubt. Hokuspokus! Probiert hat er es trotzdem, die Not war groß.
Wenn der Nachbar den Ring damals nicht gefunden hätte, untergewühlt im Strandsand, dann hätte Joachim Scheffler sicher nicht weiter über diese Sache mit der „Wünschelrute“ gesprochen. Aber es ist nun einmal so, dass es funktioniert. Ob man es glaubt oder nicht. Joachim Scheffler hat es schon hundertemal getan. Langsam geht er mit den beiden Drähten voran, bis sich die beiden Enden aufeinander zubewegen und sich irgendwann kreuzen. Genau da befindet sich das Gesuchte. Es kann ein verlorener Ring sein oder eine Leitung in der Erde. Egal, ob aus Metall oder aus Kunststoff, egal ob Wasser oder Gas durch die Leitung strömt.
Auf der Straße und dem Gehweg vor seinem Haus und der Pumpendienst-Werkstatt das gleiche Spiel. „Dass jemand mit einer Weidenrute eine Wasserader findet, dafür gibt es keine Garantie. Aber das hier, das geht immer!“ Mit seinen gebogenen Drähten und dieser unwissenschaftlichen Methode der Leitungssuche konnte er schon vielen Leuten geholfen, auch den Experten der Wasserwirtschaft. Die haben in der Neuendorfer Straße dereinst die Stelle gesucht, an der mal ein Hydrant gestanden hat. Und haben sie nicht gefunden. jedenfalls nicht ohne die Hilfe des „Wassersuchers“. Diese Geschichte erzählt der Ueckermünder Senior gern. Wie die Männer kopfschüttelnd akzeptieren mussten, dass Scheffler mit seiner „Wünschelrute“ die Leitung gefunden hat und also doch nicht spinnt.
Auch von der Suche nach dem alten Brunnen auf der Burg Stargard erzählt Joachim Scheffler. Irgendwo auf dem 250 Quadratmeter großen Burghof sollte der verschüttete Brunnen sein. „Wir haben keine 20 Minuten gebraucht, dann hatten wir ihn geortet“, berichtet Enkel Henrik, sein Enkel und Nachfolger im selbstständigen Handwerksbetrieb.
Oft genug erleben die Fachleute vom Pumpendienst Scheffler, dass es für alte Grundstücke keine Pläne für den Verlauf der Leitungen mehr gibt. Dann holen sie die „Zauberstäbe“ raus. Bisher hat es immer geklappt, und sie haben die Leitungen gefunden, egal ob Kunststoff- oder Metallleitungen. „Das muss ein Harry Potter mit seinem Zauberstab erst einmal hinkriegen“, ulkt der junge Meister.Henrik Fleck hat schon erlebt, wie die Drähte in seiner Hand sich unter einer Hochspannungsleitung wie ein Propeller drehten.
Joachim Scheffler und seine Familie reagieren auch mit Humor auf die ungläubigen Reaktionen anderer Leute. „Es ist immer so vorhersehbar: Erst schütteln sie den Kopf, dann staunen sie, wenn die Leitung tatsächlich ausgebuddelt wird. Hauptsache ist doch, dass es funktioniert und wir helfen können“, meint Joachim Scheffler. Kann er ja auch niemandem verdenken. Für das, was er macht, gibt es keine wissenschaftliche Erklärung. Aber jeder kann es selbst ausprobieren. Der Fahrer des Paketservice, der gerade eine Lieferung in die Werkstatt gebracht hat, testet es. Und er kann es nicht fassen: Die „Zauberstäbe“ in seiner Faust drehen und kreuzen sich. Genau da, wo die Leitung im Hof verläuft. Unglaublich? Ach was!

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