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Die Hörner klingen: Schießt was, Jungs!

Zum traditionellen Waidwerk in Vorpommern gehört mehr als Schießen. Für den richtigen Ton sorgt die Bläsergruppe der Jägerschaft Uecker-Randow.  FOTO: S. Weirauch
Zum traditionellen Waidwerk in Vorpommern gehört mehr als Schießen. Für den richtigen Ton sorgt die Bläsergruppe der Jägerschaft Uecker-Randow. FOTO: S. Weirauch

Von unserem Redaktionsmitglied
Simone Weirauch

Während die Bauern wegen des langen Winters wie auf Kohlen sitzen, schaut die Jägerschaft ganz gelassen diesem späten Frühling entgegen. Das Jagdjahr hat gerade erst begonnen. Die Waidmänner sorgen sich weniger ums Wetter als vielmehr um Waffengesetz und Bleimunition, um Wildschadensausgleich und Versicherungen.

Torgelow.Wenn bei der Jägerschaft Uecker-Randow ein Vertreter des Bauernverbandes als erster ans Rednerpult tritt, dann hat das seine Berechtigung. Die Symbiose von Jägern und Landwirten funktioniert in Vorpommern noch ganz natürlich. Zum Thema wird sie immer dann, wenn das Wild, mit dem diese Region reichlich gesegnet ist, auf den Feldern zu viel Schäden anrichtet. „Jungs, schießt was!“ fordert Götz Schendel die Jäger auf ihrer Jahresversammlung im Torgelower „Haus an der Schleuse“ darum auf.
Besonders für Wildschweine ist diese Gegend mittlerweile zum Schlaraffenland geworden. Bis zu 6000 Stück werden von den Jägern in den hiesigen Revieren pro Jahr erlegt. Doch bei dem guten Nahrungsangebot vermehren sich die Tiere schneller als je zuvor. „Die Population hat einen Höchststand erreicht“, sagt Wilhelm Schröter, Vorsitzender der Jägerschaft Uecker-Randow. Die Jäger haben das Nachsehen, denn die Tiere können sich den ganzen Tag in einem 70 Hektar großen Maisfeld ohne Wege und Schneisen verstecken. Unter solchen Bedingungen, wie sie in den Zeiten der Biogasanlagen mittlerweile auch typisch für Vorpommern sind, sollte allerdings auch über eine andere Schadensregulierung beraten werden. Für Schäden in Monokulturflächen kann nicht die Wildschadensausgleichskasse der Jägerschaft einspringen, meinte auch Landesjagdpräsident Volker Böhning. „Sollen doch diejenigen zahlen, die das Geld mit dem Mais verdienen.“
Gerade vor einem Jahr ist die Wildschadensausgleichskasse kreisweit fusioniert und bietet den Jägern ein überarbeitetes Beitragssystem an. Der Solidargedanke spielt dabei eine große Rolle, erklärte Kassenvorsteher Hans-Werner Lotz. Die Wildschäden sind über die
282451 Hektar umfassende Jagdfläche nicht gleichmäßig verteilt, sondern treten in einigen Bereichen konzentriert auf.
Am 24. Mai um 19 Uhr in Ducherow ist die nächste Mitgliedsversammlung der Wildschadenausgleichskasse Vorpommern-Greifswald anberaumt. Bis dahin werden die Hegeringe auch ihre Abschusspläne aufgestellt haben. Dabei klingen die Schendelschen Worte hoffentlich nach: Schießt was, Jungs!

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weirauch@nordkurier.de

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